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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, /^*^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,

und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. l"^W^W 1

(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)

â 90. Samstag den 16. April 1859.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. EinrKckungsgebuhren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

V^b^ Inserate aller Art in diesen in hiesiger Stadt und Um­gegend in £000 Exemplaren verbreiteten und in jeder Familie hier gelesenen Blättern können auf den besten Erfolg rechnen, worauf besonders auch die geehrten Besucher der hiesigen Dtesie aufmerksam gemacht werden.

UeberbliS der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 16. April. (Zur Situation.) Wir halten gegenwärtig an einem Wendepunkte der deutschen Geschichte; die tollen politischen Ideen, welche dem Knaben- und Jünglingsalter der deutschen Nationalentwicklung angehörten, haben sich abgeklärt; jene Phantasten, welche für Deutschland einst eine republikanische Staatsform in Aussicht nehmen konnten, sind, nebelhaft wie sie waren, in Nebel aufgelöst. Nur das Mögliche wird fortan als Ziel in's Auge gefaßt. Dieses Mögliche aber besteht in einer Reform der deutschen Bundesverfassung, in einer energischen Vertretung der deutschen Gesammtinteressen nach Außen, sowohl zu Wasier als zu Lande. Die deutsche Nation ist ihrem Grundwesen nach durch und durch bürgerlich; ihre Tugenden, ihre Schwächen entspringen aus diesem Charakter. Von frühen Zeiten an hat in Deutschland das Städte­wesen herrlich geblüht, unsere Kunst, unsere Wissenschaft, Eigenthum des Bürgerstandes, trägt auch den ächt bürgerlichen Stempel. Forscht man nach den Lieblingsfiguren des deutschen Volkes in der Geschichte, so zeigen sie Alle einen gemeinsamen bürgerlichen Anstrich. Für äußern Glanz und Ruhm wird die deutsche Nation niemals das Glück des Familienlebens, die Befriedigung in schaffender Arbeit, den Schatz eines geläuterten religiösen Bewußtseins, ihre bis in die Tiefen der Welt hinabsteigende Forscherlust Preis geben. Ist es denn aber unmöglich, daß ein solches hochgesittetes Volk ein nationales Staatsleben führe, das mit seiner moralischen Lebensanschauring im Einklänge steht? Soll unausgesetzt ein derartiger Theil der Menschheit nach den Heften eines Calonne, eines Castlereagh regiert werden? Fürwahr es hieße an dem göttlichen Ursprünge ©er Menschheit verzweifeln, wenn man die Forderungen nach politischer Ehrlichkeit für immer in das Reich der Utopien verweisen zu müssen glaubte, und die staatsmännische Hin-