Intelligenz-Blatt
-er freien Stadt Fmnksurl, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,^ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Jg 14. Dienstag den 18. Januar 1859.
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UeberbUS der Ereignisse im Gebiete -er politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 18. Januar. (Zur italienischen Frage.) Nach den neuesten aus Paris eingetroffenen Nachrichten scheint man dort die Lage der Dinge in Betreff der italienischen Frage jetzt etwas weniger gefahrdrohend zu betrachten. Ebenso scheint es festzustehen, daß, abgesehen von den militairifchen Kreisen, die öffentliche Meinung Frankreichs keineswegs für einen Krieg mit Oesterreich gestimmt ist, um eine Vergrößerung Piemonts durchzusetzen. Dagegen soll die Stimmung in Sardinien in Folge der Thronrede, welche die dortigen Zeitungen in vorwiegend kriegerischem Sinne aufgefaßt haben, eine wenig friedliebende sein, und es ist vorauszusehen, daß die Ankunft des Prinzen Napoleon in Turin zu Demonstrationen führen wird. Piemont hat nicht nur seit längerer Zeit seine Rüstungen eifrig betrieben, sondern auch kürzlich, in Folge der österreichischen Truppenzusammenziehungen in der Lombardei, die Garnisonen an der französischen Grenze nach der österreichischen abrücken lassen, so daß beide Staaten mit bedeutenden Truppen- massen sich drohend gegenüberstehen. Angesichts dieser politischen Verwickelung in Italien dürfte es für unsere Leser gewiß von Interesse sein, die Streitkräfte Oesterreichs und Sardiniens, welche für den Fall eines Krieges in Italien in Betracht kommen, näher zu überschauen. Oesterreich hat in der Lombardei und Venedig dieCommandos von drei Armeecorps (in Mailand, Verona und Bologna), jedes Corps hat 5 Brigaden, jede Brigade etwa 5 Bataillone. Demnach würden etwa 75 Bataillone mit ungefähr 60,000 Mann dort zur Verfügung stehen, welche jedoch unter Hinzutrttt der Beurlaubten und Reserven leicht auf 75,000 Mann gebracht werden könnten und denen dann noch 5—6000 Reiter und etwa 150 Geschütze hinzugehen würden. Als vor 10 Jahren am 12. März Carl Albert den Waffenstillstand kündigte, hatte Radetzky den gegen 100,000 Mann zählenden Piemontesen im offenen Felde nur 60 Bataillone und 40 Escadrons mit 186 Geschützen, d. i. im Ganzen nur etwa 50,000 Mann gegenüberzustellen. Kühn überschritt er mit diesem Heere am 20. März Mittags, wo der Waffenstillstand ablief, den Ticino und erfocht, sich siegcs- gewiß auf die rechte Flanke des Gegners werfend, am 21. und 83. die ewig grünenden Lorbeeren von Mortara und Novara. Auch jetzt würde Oesterreich mit einer Truppenzahl ohne Scheu den Kampf gegen Sardinien aufnehmen können und daher nicht nöthtg haben, seine Truppen in Oberitalien zu verstärken, wenn nicht die allgemeine politische