Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freien jStairt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Rachrichte« als Extrabeilage.

-™W«IS««WW!»W»-»--

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

â 285. Donnerstag den 2. December 1858.

NeberbliE der ^rsignMe im GedèeLe der polLLLfchsK «Kd materieKeZt Interessen. •

Frankfurt, 2. December. Der Schlußpassus der Ansprache, welche der Prinz- Regent von Preußen am 8 Nov. an das Staatsministerium gehalten, lautet: „Eine der schwierigsten und zugleich zartesten Fragen, die ins Auge gefaßt werden muß, ist die kirch­liche, da auf diesem Gebiete in der letzten Zett viel vergriffen worden ist. Zunächst muß zwischen beiden christlichen Confessionen eine möglichste Parität obwalten. In beiden Kirchen muß aber mit allem Ernste den Bestrebungen entgegengetrctcn werden, die dahin abzielen, die Religion zum Deckmantel politischer Bestrebungen zu machen. In der evange­lischen Kirche, wir können eS nicht leugnen, ist eine Orthodoxie eingekehrt, die mit ihrer Grund-Anschauung nicht verträglich ist und die sofort in ihrem Gefolge Heuchler hat. Diese Orthodoxie' ist dem segensreichen Wirken der evangelischen Union hinderlich in den Weg getreten, und wir sind'nahe daran gewesen, sie zerfallen zu sehen. Die Aufrechthal- tung derselben und ihre Weiterbeförderung ist Mein fester Wille und Entschluß mit aller billigen Berklckstchtigung des konfessionellen Standpunktes, wie dies die dahin einschlagen­den Dekrete vorschreiben. Um diese Aufgabe lösen zn können, müssen die Organe zu deren Durchführung sorgfältig gewählt und theilweise gewechselt werden. Alle Heuchelei, Scheinheiligkeit, kurzum alles Kirchenwesen als Mittel zu egoistischen Zwecken, ist zu ent­larven, wo cs nur möglich ist. Die wahre Religiosität zeigt sich im ganzen Verhalten des Menschen; dies ist immer ins Auge zu fassen und von äußerem Gebühren und Schau­stellungen zu unterscheiden. Nichtsdestoweniger hoffe Ich, daß, je höher man im Staate teht, man auch'das Beispiel des Kirchenbesuchs geben wird. — Der katholischen Kache ind ihre Rechte verfassungsmäßig festgesiellt. Uebergriffe über diese hinaus sind nicht zu dulden. — Das Unterrichtswesen muß in dem Bewußtsein geleitet werden, daß Preußen durch seine höheren Lehranstalten an der Spitze geistiger Intelligenz stehen soll, und durch seine Schulen die den verschiedenen Klassen der Bevölkerung nöthige Bildung gewähren, ohne diese Klassen über ihre Sphären zu beben. Größere Mittel werden hierzu nöthig werden. Die Armee hat Preußens Größe geschaffen und dessen Wachsthum erkämpft; ihre Vernach­lässigung Hst eine Katastrophe über sie und dadurch über den Staat gebracht, die glor­reich verwischt worden ist durch die zeitgemäße Reorganisation des Heeres, welche die Siege des Befreiungskrieges bezeichneten. Eine vierzigjährige Erfahrung und zwei kurze Kriegs- Episoden haben uns indeß auch jetzt aufmerksam gemacht, daß Manches, was sich nicht bewährt hat, zu Aenderungen Veranlassung geben wird. Dazu gehören ruhige politische