Intelligenz-Blatt
der freien AM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachHausgaffe 21.)
â 273. Donnerstag den 18. November 1858.
NâerbLLâ Hex GreègnMe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 18. November. (Zur Bauern-Emancipationsfrage in Rußland). Man wird sich vielleicht noch erinnern, daß das Gouvernement Moskau eines der. spätesten war, dessen Gutsbesitzer dazu bewogen werden konnten, in einer Adresse dem Kaiser ihre Bereitwilligkeit auszusprechen, in der Bauern-Emancipations-Angelegen- heit nach dem Wunsche des Kaisers vorzugehen. Dieses Zögern mußte natürlich sehr übel vermerkt werden und gab zu mannichfachen Gerüchten Anlaß über die Art und Weise, wie b-r Kaiser seine Unzufriedenheit darüber ausgedrückt habe. Jetzt veröffentlicht das amtliche „Journal des Ministers des Innern" die Ansprache, welche der Kaiser bei seiner jüngsten Anwesenheit in Moskau, am 12 September, an die Adelsmarschälle des Gouvernements Moskau gerichtet hat- Die Worte des Kaisers sind sehr bezeichnend für dessen Stimmung, — abgesehen davon, daß die Veröffentlichung im genannten Journal ihre Bedeutung noch erhöht. Die Anrede des Kaisers lautete: „Es ist mir immer angenehm, meine Herren, wenn ich Gelegenheit habe, dem Adel zu danken; aber es widerspricht meinem Charakter, gegen meine Ueberzeugung zu sprechen. Ich rede immer die Wahrheit und ich kann Ihnen leider jetzt nicht danken. Sie erinnern sich, daß ich vor zwei Jahren in eben diesem Zimmer Ihnen gesagt habe, daß es früher oder später nothwendig sein werde, zur Abänderung des Leibeigenschaftsrechtes zu schreiten, und daß es rathsam sei, daß damit lieber von Oben, als von Unten angcfangen werde. Meine Worte wurden anders ausgelegt, ich aber habe darauf lange hierüber nachgedacht und, nachdem ich zn Gott gebetet, den Entschluß gefaßt, an's Werk zu gehen. Als in Folge der Aufforderung des Petersburger und oer lithauischen Gouvernements von mir die Rescripte erlassen wurden, erwartete ich, wie ich gestehen muß, daß der Moskauer Adel zuerst darauf antworten werde; es ließ sich der Adel von Nifchegorod vernehmen, das Gouvernement Moskau aber war nicht das erste, nicht das zweite, ja -acht einmal das dritte. Es war mir dies schmerzlich, weil ich stolz darauf bin, in Moskau geboren zu sein, weil ich Moskau immer liebte, als ich Thronfolger war und es noch immer wie meine eigene Vaterstadt liebe. Ich habe ihnen die Prinzipien angegeben und gehe von denselben durchaus nicht âb. (Hier wiederholte der Kaiser die Hauptgrundsätze, wie sie in den Rescripten auseinandergesetzt sind.) Ich liebe den Adel und halte ihn für die erste Stütze des Thrones. Ich wünsche das allgemeine Wohl, will aber nicht, daß es Ihnen zum Nachtheile gereiche und bin stets bereit, mich Ihrer anzunehmen. Aber um