Intelligenz-Blatt
der freien Ks-t FmnkM< verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nschrichte« als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 253.
Dienstag den 26. October 1858.
LeberbLLE der GreLgnMs im Gebiete der politischen und materiMen Interessen.
Frankfurt,- 26. October. (Zur Mortara-Angelegenheit.). Bekanntlich hat die französische Regierung beim Papstè Schritte gethan zu Gunsten der israelitischen Eltern Mortara in Bologna, denen auf Veranlassung des päpstlichen Gouvernements ihr Kind geraubt wurde, und zwar auf die alleinige Aussage einer katholischen Dienstmagd hin, daß sie dasselbe vor mehreren Jahren heimlich getauft habe. In Frankreich hat dieses traurige Ereigniß zu einer lebhaften Polemik zwischen dem „Journal des Döbats" und dem „Univers" Anlaß gegeben, eine Polemik, in welcher das ultramontane Blatt, was dm Egoismus der Argumentation betrifft, sich selber übertrifft, und dadurch die öffentliche Meinung nur noch mehr gegen den römischen Stuhl aufregte. Auch der halboffici'elle „Constitutionnel" hat sich vor einigen Tagen in einem vom Chef-Redacteur Ränäe unterzeichneten Artikel über diese Angelegenheit ausgesprochen und dabei erzählt, was die französische Regierung bis jetzt in der Sache gethan habe. Wir entnehmen dem Artikel folgende Schlußstelle: „Das französische Gouvernement wird wenigstens keine Bemühung dernachlässigt haben, um den heiligen Stuhl zu bestimmen, der öffentlichen Meinung diejenige Genugthuung zu gewähren, welche sie von allen Seiten verlangt. Aber es könnte fast scheinen, als ob die Autorität des Papstes sich unfähig finde, eine religiöse Thatsache aufzuheben, welche die Kirche zu allen Zeiten als ausschließlich dem geistigen Gebiete angehörig betrachtet hat und welche daher nicht von dem persönlichen Willen des Hauptes der Kirche abhängen könnte. Man verkennt übrigens in Rom die Nothwendigkeit , eine den Interessen der Religion so nachteilige Verantwortlichkeit abzulehnen, keineswegs, und das offizielle Journal wird, wenn wir recht unterrichtet sind, in Kurzem Erklärungen veröffentlichen, welche zeigen sollen, in welcher Lage von Anfang an der heilige Stuhl dieser btklagenewer- then Angelegenheit gegenüber sich befunden hat Man bereitet zugleich ein Memorandum vor, welches bestimmt sein soll, die nöthigen Aufklärungen zu geben, um nachzuweisen, daß der Papst mcht die Macht habe, zu interveniren und von seiner Autorität Gebrauch zu machen, um den jungen Mortara der Religion seiner Väter und seiner Familie zurückzugeben. Wir sind nicht in der Lage, im Voraus über die Prinzipien oder die Gründe des kanonischen Rechts zu urtheilen, welche man anrufen will; aber wenn, wie man in Rom hofft, diese Arbeit den Erfolg haben wird, die Wiederkehr ähnlicher Ereigniffe zu verhindern, von jetzt ab die «lcherheit der Familien zu wahren und das mit Recht tief erregte öffentliche Gfühl zu deruhigen, so wird man dieselbe willkommen zu heißen haben, ohne darum aufzuhören, eine Thatsache zu beklagen, welche durch Nichts gerechtfertigt werden kann." Das Kind wird