Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurts verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expeditton: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
^ 225. Donnerstag den 23. September 1858.
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UeberbttS der Greigniffe im (Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 23. September. (Villafranca). Die Ueberlassung des sardinischen Hafens von Villafranca an die russische Dampfschifffahrtsgesellschaft von Odessa bat in einem Theile der englischen und österreichischen Presse die Besorgniß erweckt, Rußland beabsichtige im mittelländischen Meere festen Fuß zu fassen und aus Villafranca ein zweites Gibraltar zu machen, von wo aus es allmälig seinen Einfluß über alle Häfen des mittelländischen Meeres ausdehnen könne. Politiker, die gerne hinter die Coulissen schauen, wollten sogar in diesem Rußland geleisteten Freundschaftsdienste den ersten Schritt zur Allianz zwischen Sardinien, Rußland und Frankreich erblicken. Jetzt ist man von der ersten Besorgniß zurückgekommen, nachdem die sardinische Regierung offiziell hat erklären lassen, daß sie Rußland in dem ehemaligen Bagno von Villafranca ein Terrain eingeräumt habe, das nur als Entrepot für Kohlen und Lebensmittel dienen solle. Ist demnach die politische Seite dieser Requisition nur von secundärer Bedeutung, so gewinnt dagegen die merkantilische Tendenz derselben eine um so größere Wichtigkeit. Wir glauben, die Tragweite, welche dieser Angelegenheit in commerzieller und politischer Beziehung beizumeffen ist, nicht besser beleuchten zu können, als wenn wir einige Stellen aus einem Aufsatze ver „Zeit" mittheilen, worin diese Angelegenheit nach allen Seiten hin besprochen ist. Das erwähnte Blatt sagt unter Anderm: „Allerdings haben die englische, die französische wie die österreichische Regierung bis in die neueste Zeit die Idee gehabt, die großen Verkehrsmittel der von ihnen subventionirten Dampfschifffahrts-Gesellschaften kontraktlich für den Kriegsgebrauch sich zu reserviren, und als Bedingung für ihre Unterstützung diesen Gesellschaften einen solchen Bau und eine solche Einrichtung ihrer Schiffe vorzuschreiben, die den Kriegsgebrauch derselben möglich macht. Jene Regierungen haben aber diese Idee in dem Grade als unausführbar anerkannt, daß keine von ihnen im Ernste von der russischen die Erneuerung eines völlig ver-