Intelligenz-Blatt
der freien Asdi Frankfurt, ^gM verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, tHS und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. I
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgafle 21.)
JK 213. Donnerstag den 9. September 1858.
U eberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen
- è N ünb materiellen Interessen.
Frankfurt, den Das soeben erschienene „Sendschreiben an den
Politiker der Zukunft vom preußischen Standpunkte" (Berlin, I. Springer), betont, obgleich bestimmt die genannte Schrift zu widerlegen, die Hauptsätze jener Schrift nur noch schärfer, und müßte somit konsequenter Weise auch in Sachsen durch Ministerialbefehl verboten werden. Das ^entschreiten ist dem Zukunftspolitiker unter Ausdrücken der höchsten Verehrung gewidmet, und die Widerlegung beschränkt sich nur auf Gegenstände untergeordneten Interesses, wie der Ansicht, daß Preußen, im orientalischen Kriege sein Bündniß gegen Rußland um ein Stück Polen verkaufen und dieses hätte rasch germanisiren sollen, oder die Idee einer romanischen Nationalpolttik mit Frankreich an der Spitze, welches Italien und Spanien in's Schlepptau zu. nehmen hätte. In Bezug auf den Gegensatz zwischen Oesterreich und Preußen und die Bedeutung des deutschen Bundes für die beiden Großmächte mögen folgende Auszüge beweisen, daß der Verfasser der Widerlegung eben so weit geht, wie die erste Schrift, deren Behauptung, daß der deutsche Bund auszulösen . sei, bekanntlich das sächsische Verbot herbeigeführt hât. „Deutschland ein österreichischer Bundesstaat", ist das logisch richtige Ergebniß, zu welchem der teutsche Bund hindrängt. DiKs Ergebniß läßt sich nur durch die Schwächung Preußens erreichen, durch Hemmung seines innern Lebens, durch Einschränkung seiner äußern Lebenssphäre, welche über seine völkerrechtlichen Grenzen hinausreicht, und führt folgerecht zu dem Plane einer Entglie- derung und Verminderung, auch des Gebiets, welches Preußen jetzt völkerrechtlich einnimmt. Bei der Verwandlung Deutschlands in einen österreichischen Bundesstaat hat aber Oesterreich nicht den Zweck, der deutschen Volksseele einen lebenskräftigen Körper zu bilden, und kann ihn nicht haben. Oesterreichs Wesen ist Deutschlandfremd; Deutschland ist für Oesterreich nur Mittel. Die deutschen Zwecke sind als Zwecke seine letzten, und in ihrer wahren Gestalt sind sie nie die seinigen. So wie Napoleon I. sagte: „Die Türkei ist der Sumpf, der mein Gebiet von dem rutschen trennt, so ist Deutschland für Oesterreich der schützende Sumpf, der seine italienische und östliche Politik deckt." Einen freien Bundesgenossen an die Stelle des Sumpfes wünscht es schon darum.nicht, weil es von diesem auch eine freie Zustimmung erlangen, d. h. in seiner Politik züm Theit von ihm abhängig werden müßte. In dem Verhältniß zwischen Oesterreich und Preußen ist Oesterreich der angreifende Theil, sofern die jetzige Ausdehnung seines Einflußgebietes es folgerichtig dahin führt, ^Preußen sogar in dessen völkerrechtlichen Grenzen zu bedrohen, oder wenigstens feine Selbstständigkeit zu lähmen. Unter einem andern Gesichtspunkt kann man behaupten,