ZnteMgeuz-Blatt
der freien ML! Frankfurts ^^^. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. |
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 197, Samstag den 21, August 1858,
Ueberblick der GreignLM im Webrete -er politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 21. August. (Cherbourg). Ein französisches Blatt gibt folgende Notizen über die Vergangenheit des in den letzten Tagen vielgenannten Cherbourg. Hätte dieser Platz schon im 17. Jahrhundert als Kriegshafen bestanden, so hätte die französische Flotte die Seeschlacht von La Hogue nicht verloren. Schon 1687 beabsichtigte Ludwig XIV einen Kriegshafen anzulegen, Vauban wurde dahin abgeschickt, aber nach einigen Monaten und mehreren Vorarbeiten wurde das Project wieder aufgegeben und 1689 wurden sogar die neuen Werke und die alten Befestigungen auf Befehl des Hofes zerstört. Bald erkannte man den gemachten Fehler. Am 29. Mai 1692 wurde das französische Geschwader unter Tourville von der englisch-holländischen Flotte zum Theil vernichtet. In den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts wurden in der Eile einige Arbeiten unternommen, aber sie waren ungenügend, und 1750 konnten sich die Engländer leicht Cherbourgs bemächtigen. Ludwig XVI., welcher während des amerikanischen Krieges die ftanzösische Flagge einen Augenblick wieder hob, faßte den Plan, die Einfahrt Cherbourgs durch einen Riesendamm zu vertheidigen; nicht wie jener von La Rochelle, welcher den Engländern die Einfahrt, aber gleichzeitig auch den Schiffen des Hafens das Auslaufen schloß, sondern einen Conservations- und Vertheidigungsdamm zugleich, nach den Grundsätzen der Wasserbaukunst angelegt. Napoleon begriff die ganze Wichtigkeit Cherbourgs, welches Vauban „eine kühne Stellung" (position audacieuse) nannte, und ließ thätigst die Dammarbeiten wieder aufnehmen, welche man unter Ludwig XVI. begonnen hatte. „Nie," so sagt er in dem Memorial de St. Helene, „nie unternahmen die Römer etwas stärkeres, schwierigeres, dauerhafteres. Ich hatte beschlossen, die Wunderwerke Aegyptens zu Cherbourg zu erneuern; schon hatte ich im Meere meine Pyramide errichtet, ich hätte auch meinen Mörissee gehabt. Mein großes Vorhaben war, alle unsere Seestreitkräfte zu Cherbourg concentriren zu können, und mit der Zeit wären sie riesig Sz gewesen, um dem Feinde den großen Streich versetzen zu können. Ich legte mein ain so an, daß die beiden Nationen so zu sagen Mann gegen Mann ringen konnten und der Ausgang konnte nicht zweifelhaft sein". — Als Alexander v. Humboldt im Jahre 1837 Cherbourg besuchte, nannte er den Damm das schönste Werk von Menschenhand, welches er je gesehen habe. Der 1854 vollendete Damm ist in der See 6000 Metres von der Einfahrt des Handels-Hafens angelegt; er ist auf 30 Metres Grund 3768 Metres lang.