Intelligenz-Blatt der freien KM Franksutt, XS$ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den FrMkfnrter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
Jf 183. Donnerstag den 5. August 1858.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 5. August. Der Gustav-Adolf-Verein hat während seiner erfreulichen Entwickelung zugleich den ungeheueren Umfang des Bedürfniffes dargethan, welches daS evangelische Kirchen- und Schulwesen in katholischen Ländern nach wirksamer Unter- Mung empfindet, um vor dem Untergange geschützt zu sein. Und zwar hat das Bedürf- H in einem solchen Grade sich kundgegeben, daß es der Zunahme der Unterstützungen Wer noch nicht möglich war, damit Schritt zu halten. Man bedenke nur den Schaden, welchen durch die Zehntaufhebung und die Gymnasialreform in Oesterreich bei der beständig aufgeschobenen Regelung der kirchlichen Verhältniffe der Protestanten diesen Gemeinden erwachsen ist, wie sie dadurch hinter die vormärzlichen Verhältnisse zurückgeworfen worden find, und man wird unsere Behauptung nicht auffallend finden, daß allein in Oesterreich die jährliche Verwendungssumme des Gustav-Adolf-Vereins ihre genügende Vertheilung finden könnte. Aber wie viele Länder sind, in und außerhalb Europa, noch zu bedenken! Unter diesen Verhältnissen bieten sich zwei Wege, die Theilnahme an dem so wohlthätigen Werke des Gustav-Adolf-Vereins auf eine dem Bedürfniß entsprechende Stufe zu bringen: einmal die immer weitere Gliederung der Landesvereine, sodann die Gründung von Nebenstiftungen zu besonderen Zwecken. Indem sich immer zahlreichere Mittelpunkte für eine bestimmte Anzahl Ortsvereine bilden, zu deren Zusammenkünften auch die Klasse der Bevölkerung Zutritt findet, welche weder viel Zeitungen zu lesen, noch weitere Reisen zu umchen pflegt, um so tiefer eingreifend muß die Wirksamkeit des Vereins werden, abgesehen vom Eindruck, welchen das lebendige Wort vor dem todten Buchstaben voraus hat. Ein solches Jahresfest des westfälischen Haupt-Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung ist am 21. und 22. Juli in Schwelm gefeiert worden. Von der Wirkung einer ergreifenden mündlichen Schilderung der Leiden und Entbehrungen der Glaubensbrüder liegen Beispiele genug vor, und eins davon wollen wir erwähnen, weil es zunächst zu der Gründung einer besonderen Nebenstiftung Veranlassung gegeben hat. Eine Frau, welche 1850 durch das, was sie im Märkischen Boten des Gustav-Adolf-Vereins von der Noth zweier evangelischer Gemeinden gelesen, gab, in Ermangelung anderer bereiter Mittel, eine goldne Kette. Das Beispiel fand Nachahmung, „die Kette verlängerte sich", es bildete sich endlich ein eigner Kettenverein, dem auch Ihre Majestät die Königin von Preußen mit Schenkung eines kostbaren Halsschmucks und dann mehrere andere deutsche Fürstinnen mit reichen Gaben beitraten. Bereits sind zwei Geschenkeverzeichnisse mit gegen 600 Gaben ausgege- ienj welche verloost werden sollen. Der Ertrag soll dem Gustav-Adolf-Verein eine seiner