Intelligenz-Blatt
der freien KM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, ^ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 181. Dienstag den 3. August 1858.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 3. August. (Suez und Per im.) Trotz der Versicherungen, die man in Frankreich und England über das Fortbestehen der herzlichen Beziehungen von Zeit zu Zeit gegenseitig sich zu geben pflegt, braucht man nur auf die Suez-Frage hinzusehen, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß die Politik beider Länder gerade in der friedlichen Entwickelung der gegenwärtigen Situation in ihren theuersten Interessen sich kreuzt. Wenn das große Sturmhorn, die „Times", wegen der Ausbauung Cherbourg's zu dem großartigsten Kriegshasen und überhaupt wegen der maritimen Anstrengungen Frankreichs Allarm bläst, so denkt sie sicher nicht an eine französische Invasion oder an die Möglichkeit, daß die französische Kriegsmarine der englischen überlegen werden könnte, aber sie betrachtet mit Argwohn die Entwickelung der Handelsmarine Frankreichs und die deutlich genug herportretende Absicht des Kaisers, die günstige maritime Lage Frankreichs zum Vortheile seines aufblühenden Handels bestmöglichst auszubeuten. Die große Kriegsmarine bedingt und muß zur Grundlage haben, die größere Handelsmarine; daher der fteundliche Rath der „Times", daß Frankreich nur eine europäische Mission habe und innerhalb derselben sich halten solle, daher die Insinuation, daß Frankreich trotz seiner 200 Meilen Küste und seiner vortrefflichen Häfen ausschließlich Landmacht sei, daher endlich der nachhaltige und verbissene Widerstand gegen die Ausführung des projektirten Suez- Kanals, der nämlich in allererster Linie dem französischen Handel zu Gute kommen und die französischen Häfen des Mittelmeeres in eine nicht zu berechnende Blüthe bringen müßte. Deswegen verfolgt aber auch Frankreich nachdrücklich das Projekt des Suez-Kanals und seine Presse gibt Schlag auf Schlag die Angriffe der englischen zurück. In einer kürzlich erschienenen Broschüre: „Suez und Perim" antwortet Herr Barbis de Bocage auf den Times-Artikel vom 27. April. Ueber die Nützlichkeit und Ausführbarkeit des Projektes kann nach Allem, was bereits geschrieben wurde, nicht viel Neues mehr angeführt werden. Es ist bekannt, daß England sein gegenwärtiges Monopol des indischen und arabischen Handels höher anschlâgt, als selbst die Vortheile, die ihm in Verhältnissen, wie sie gegenwärtig in Indien bestehen, der Suez-Kanal für die Sicherung und Pacificirung dieses Landes darbieten würde. Auch die Vorschiebung, daß die Interessen Egyptens und der Türkei durch den Kanal beeinträchtigt werden, sind häufig auf ihre unlauteren Motive zuruckgeführt worden und es ist mit Recht darauf hingewiesen, daß die englische Eisenbahn mit ihrem zahlreichen Personal und den nach Indien gehenden und von Indien kommenden Truppenzügen, wenn England dereinst Egypten occupiren wollte, diese Operation bedeutend