Zntelligenz-Blatt
der freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,^ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 171. Donnerstag den 22. Juli
1858.
:en aus
latismus
Ueberblick der Creignisse im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 22. Juln (Das Fundament der englischen Herrschaft in Indien.) Die Erfolge der indischen Jnsurrection haben die Besorgniffe erregt, daß die Behauptung Indiens durch die Engländer ihrem Ende sich nähere. Diese Befürchtung scheint uns unbegründet. Mögen immerhin die Jnsurgentenhaufen noch lange nicht vertilgt, die englischen Siege mit überwiegenden Opfern erkauft, die indischen Fürsten aus verdummten 'Despoten thatkräftige und kühne Leute geworden sein, welche den Fanatismus deS Volkes zu lenken und zu nähren verstehen j — der Erfolg der Jnsurrection wird doch das Land nicht unabhängig machen, am wenigsten von der englischen Herrschaft. Der Grundpfeiler dieser Herrschaft beruht weniger auf der Treue der Sipoy-Regimenttt, als auf der nationalen Zerklüftung der Eingebornen, die in der Weltgeschichte nicht ihres Gleichen hat. Wenn sich auch in einzelnen Territorien, z. B. in Audh, das Landvolk an den Feindseligkeiten gegen die Engländer betheiligte, so hat sich doch sonst überall das eigentliche niedere Volk von der Jnsurrection ferne gehalten. Sonst würde es den kleinen britischen Truppenabtheilungen schwerlich gelungen sein, sich in ihren isolirten Positionen Monate lang zu behaupten und selbst innerhalb solcher Gebiete, die den eigentlichen Heerd der Jnsurrection bildeten, für ihre Verpflegung in ausreichendem Maße Sorge zu tragen. Gin durch die Stimmung des Volks vermittelter Zusammenhang zwischen den einzelnen ^usurgenten-Chefs ist nirgends zu erkennen. Die Betheiligung des Landvolkes von Audh war wahrscheinlich auch nur Folge des Druckes der hier zusammengedrängten überwiegenden Sipou-Mafsen. Eine allgemeine nationale Erhebung ist in Indien gär nicht möglich, weil den Indiern die dazu nöthigen Eigenschaften gänzlich abgehen. Seit den Eroberungszügen Mahmuds von Ghazna (Ghizni) um das Jahr 1000 der glichen Zeitrechnung haben die Indier nie ein Nationalgefühl, ein Streben nach nationaler Selbstständigkeit an den Tag gelegt. Das Land war seit jener Zeit die Beute jedes kühnen Eroberers und trug das Joch der Fremdherrschaft mit dem merkwürdigsten Gleâuth, obgleich die Eingeborenen sowohl an Zahl als an Cultur den fremden Eindringlingen sehr überlegen waren. Das Bewußtsein ihrer immensen numerischen Ueberlegenhert hat die Indier me zu dem geringsten Versuche veranlaßt, sich als eine Nation den Eindringlingen entgegenzustellen und ihr Recht an den Grund und Boden mit den Waffen in der Hand geltend zu machen, selbst darin nicht, wenn das herrschende Volk in Schwache versank oberm - blutigen Bürgerkriegen sich selbst befehdete und die unbezweifeltsten Beweise seiner Ohnmacht und Auflösung gab. Der Indier ist zwar nichts weniger als feig, um einer reib
en in der Hand geltend chwäche versank oder in