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Intelligenz-Blatt

der freien Kadt Frankfurts verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Aachrich-en als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachchausgaffe 21.)

M 157. Dienstag den 6. Juli 1858.

UeberblLâ der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 6. Juli. (Ein Blick auf die französische Flotte.) Wie sehr der Einfluß eines Staates unter den gegenwärtigen Machtverhältnissen von der Ent­wickelung seiner Marine abhängt, beweist das Beispiel Frankreichs. Seine erhöhte Macht­stellung hält wesentlich mit der Verstärkung seiner Kriegsflotte gleichen Schritt. Die letz­tere bestand bei der Eröffnung des orientalische» Krieges aus 38 kampffertigen Linien­schiffen und 66 Fregatten und Sorbetten. In drei Jahren hatte Louis Napoleon 24 V” .. schiffe erbauen lassen. Im Laufe des Jahres 1854 liefen 13 neue Kriegsschiffe (darunter 9 Linienschiffe) vom Stapel und 52 andere wurden in Angriff genommen. Dadurch nö­thigte L. Napoleon seinen Alliirten jenseits des Kanals , Frankreich zu Lande den Vor­rang zu lassen und zu Wasser als sich ebenbürtig anzuerkennen. Es zeugt von Napoleon's tiefem politischen Blicke, daß er die Wichtigkeit der Flotte für Frankreichs Machtstellung mehr als irgend einer seiner Vorgänger erkannte, und von seiner außerordentlichen Energie, daß er vermochte, dieselbe in so kurzer Zeit herzustellen und gleichsam aus Nichts zu schaffen. Der Umstand, daß L. Napoleon Frankreich eine Flotte gegeben hat, welche mit lauter Stimme von England eine Theilung der Meeresherrschaft'fordert, hat die Meinung über die französische Seetüchtigkeit sehr geändert. Man war früher allgemein der Ansicht, Frank­reich könne nie eine gebietende Stellung auf dem Meere einnehmen. Dieses Vorurtheil hat Louis Napoleon mit einem Schlage zerstört und dadurch dem Selbstgefühle seiner Nation keine geringe Satisfaktion gegeben. Frankreich wird seitdem mit Eifersucht von der englischen Presse überwacht. Die detaillirten Relationen derselben über jeden neuen Zuwachs der französischen Flotte haben in England trotz der entente cordiale die Besorg­niß erregt, es könne Napoleon einmal einfallen, über Nacht England einen Besuch abzu­statten. Es fragt sich, wie weit diese Besorgniß gegründet ist. Ein prüfender Blick auf die neueste Marine-Entfaltung in Frankreich gibt die Antwort an die Hand. Die franzö­sische Flotte ist älteren Ursprungs als die englische, aber ihr Entwickelungsgang war kein so regelmäßiger, wie der der englischen Flotte. Sie erhob sich bald wie ein glänzendes Meteor und verschwand dann wieder eben so schnell, weil sie mit dem Volke zu wenig verwachsen und bloß ein Spielball der augenblicklichen Herrscherlaune war. Die alten Gallier hatten eine zahlreiche Flotte und erhielten damit die benachbarten Küsten in fortwährendem Schrecken , aber nach der Eroberung Galliens durch Cäsar verschwand die maritime Macht Galliens gänzlich und tauchte erst unter den Karolingern wieder auf. Unter Philipp II. und Lud-