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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurts /^^. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, â^M^^^-^ und den Frankfurter Nachrich-rv als Extrabellage.

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(E^edition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

Jg 153» Donnerstag den 1. Juli 1858.

Ueberbliâ der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 1. Juli. Die Rastatter Frage hat ihre strategische, politische und vielleicht sogar eine dynastische Seite, die wir in Nachfolgendem andeuten wollen. Was die Erstere betrifft, so ist vorauszusetzeu, daß alle Festungen im Westen von Deutsch­land blos nach Einer Seite hin errichtet und bezweckt sind; sie sollen einem Angriff durch Frankreich begegnen. Bis 1840 waren solche feste Plätze blos am Mittel- und Nieder­rhein, weil da von früher her schon Festungen bestanden; ein fester Waffenplatz in Süd­deutschland war blos in Aussicht genommen und entbehrte wegen der Kleinheit der Länder und weil Oesterreich sich sichtlich ganz aus Deutschland zurückgezogen hatte, der Ausfüh­rung. Solche erfolgte erst durch das drohende Ministerium Thiers und die Compli- cationen der egyptischen Frage. In den früheren Jahrhunderten waren die Kriege Frank­reichs auf das deutsche Reich gerichtet, das keine großen Centralhauptstädte hatte, und bedrohte es daher bald den Niederrhein, bald die Länder am Oberrhein, diese verheerend, ohne tiefer in das Reich zu dringen. Erst Friedrich der Große gab in Berlin und die ^rtrümmerung des Reichs in Wien einen Central- und Hauptzielpunkt. Alle Angriffe auf Oesterreich und Wien gingen nur vom Oberrhein in der Nähe von Strasburg aus und Diersheim, zwei S unden unterhalb dieser Festung, war der nördlichste Punkt des Rheinübergangs, der nächste Zug ging hauptsächlich durch das Kinzig- und Dreisamthal nach Stockach und Ulm und nur, weil die Gegend zu schutzlos war, auch über Ettlingen und Stuttgart. Als Markgraf Louis von Baden zur Zeit Ludwigs XIV. die Stolhofener Linien, 3 Stunden oberhalb Rastadt und bis Heilbronn reichend, gezogen hatte, drang die französische Armee nur im Süden vor und die Schlachten bei Schellenberg, Hochstâdt ic. fielen in dieselben Gegenden, wo auch Napoleon seine Siege gegen Oesterrerch errang. Durch Franken in Böhmen einzudringen, wäre nutzlos, denn Oesterreich und seine Haupt­stadt ist nur im Donauthal und in Italien zu besiegen. Um also Oesterreich zu bedrohen und zu bekriegen, brauchen sich die Franzosen nicht um Rastatt zu bekümmern, sie gehen 10-30 Stunden oberhalb frei über den Rhein und nichts hält sie am weiteren Vordringen auf als Ulm. Rastatt hält dagegen die Franzosen auf, wenn sie nach Nordosten, Preußen und Berlin wollen. Mit einem bloßen Grenzkriege begnügt man sich nicht mehr, der Gegner wird in seiner Hauptstadt ausgesucht. Von der Lauter an bis zur Maas ist me West­grenze Deutschlands ziemlich durch Festungen geschützt und ist es sehr zu bezweyeln, ob Frankreich dort einen Angriffskrieg beginnen möchte. Unter dem alten Napoleori konnte wohl dort die Operationsbasis beginnen, weil diese festen Platze nicht vorhanden waren