Jntelligenz-Blatt der freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Getstpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
Jtë 141. Donnerstag den 17. Juni
1858.
Ueberbliek der Greignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 17. Juni. Oesterreichs Handel nach der Levante veringert sich, klagt die „Oesterreichische Zeitung", mit dem Zugeständniß, daß auch'die österreichischen Wollenwaaren auf den orientalischen Märkten nach und nach verdrängt würden. Sie gibt zwar die Erklärung dazu, daß nämlich die Natur und die Regierung das ihrige gethan hätten, das Weitere wäre Sache der Industriellen, aber die letzteren werden keine Besserung der Handelsbeziehungen herbeiführen, so lange der Handel nach dem Orient wegen der unsicheren politischen Zustände daselbst zu keinem rechten Aufschwünge gelangen kann. Nun wird aber als ein sehr wichtiger Grund für die erstrebte Einigung Oesterreichs mit dem Zollvereine gerade der dadurch gewonnene große Absatz nach dem Orient von gewisser Seite geltend gemacht, und doch unterliegt es keinem Zweifel, daß die Aufhebung der Durchgangszölle allein den Absatz dorthin noch nicht sichert. Wie kommt es, daß die Schweizer Industrie solche großen Erfolge in der Levante, namentlich in Constantinopel, zu -ringen weiß? Offenbar durch die Billigkeit und Güte der Waare, durch die Kenntniß der Bedürfnisse. Sollte nun der Zollverein dasselbe Ziel wie die Schweiz nicht auch ohne die Zolleinigung mit Oesterreich erreichen können? Man legt daselbst viel zu großes Gewicht auf die äußerliche Einheit und hofft, daß sich das Weitere dann schon durch den natürlichen Lauf der Dinge ergeben werde. Diese Verhältnisse muß man deshalb im Auge behalten, weil sie bei der letzten Kündigung des Zollvereins durch Preußen mit großem Geschick zu Gunsten der Trennung desselben und der Einigung mit Oesterreich ausgebeutet wurden; cs gelang, eine Zeit lang sogar dieser Ansicht in Suddeutschland Glauben zu verschaffen, und auch in Preußen träumte manche Handelskammer von dem ungeheueren Absätze nach Asien. Wo indessen die Qualität der Waaren sich nicht Bahn bricht, wird die bloße Entwickelung der Verkehrsmittel es schwerlich machen, denn diese ist gewöhnlich nur die nothwendige Folge einer gehobenen Industrie. Dre hohe Zinsgarantie , welche die Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft genießt, um für mien billigen Transport zu sorgen, der Bau verschiedener Eisenbahnen, um Wien mit Belgrad und Triest zu verbinden, der Umstand, daß von Wien innerhalb acht Tagen Waaren über Triest durch die Lloyddanipfer nach Constantinopel geschafft werden können, hèu, wie man steht, nicht eine Steigerung des Waarenabsatzes herbcigeführt. Auf den öster- reichlschen Straßen und Schiffen werden meistens fremde Erzeugnisse nach dem Orient versendet und der Absatz inländischer Producte scheint abzunehmen, obgleich die Verkehrsmittel im Kaiserreiche zunehmen. Allerdings bildet Constantinopel noch immer den Mittelpunkt des Handels