Ji 139. Dienstag den 15. Juni 1858.
UeberMicS der GreègrrMe im Gebiete ber politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 15. Juni. Die Auflösung des deutschen Bundes ist seit einigen Wochen in Veranlassung der Broschüre „die Politik der Zukunft vom preußischen Standpunkt" ein Gegenstand der publicistischen Erörterung geworden. Der Verfasser" erblickt nämlich im Bunde nur die Maske des Zwistes zwisch n Preußen und Oesterreich, und giebt beiden den Rath, sich über die Auflösung des Bundes im friedlichen Wege zu verständigen und zwei Gruppen, eine norddeutsche und eine süddeutsche, unter ihrem Protektorate' zu stiften. Gewisse Blätter haben diesen Vorschlag ausgebeutet und in der Schrift die geheimen Pläne der preußischen Politik entdeckt. Nun wäre die Veröffentlichung eines geheimen Plaues doch nicht der geeignete Weg ihn zu erreichen, ober es müßte dieser Schritt im Sinne Friedrichs des Großen erfolgt sein, welcher nicht selten begründete Nachrichten über seine Absichten verbreit, ließ, um den Feind zur Ansicht zu verleiten, daß bte Kundwerbung der Pläne mir begünstigt sei, um die wahren zu verheimlichen. Indessen trägt die Forderung der Schrift in sich das Gepräge, daß sie nicht die Ansicht des preußischen Cab in et s sein kann. Man wird dagegen eiuwenden, daß ja durch die Erfurter Union im Grunde nichts anders als ein beschränkter Bund erstrebt sei, und hat in dieser Annahme nicht Unrecht, aber eben deshalb kam sie auch nicht zur Ausführung? Ein Plan von den günstgsten Zeitoerhältmssen unterstützt, durch die politischen Forderungen eines großen Theiles der deutschen Nation und deren idealen Hoffnungen getragen, konnte nicht zur Verwirklichung gelangen und nun erwartet der Verfasser eine solche Umgestaltung staatlicher Beziehungen ohne äußere Veranlassung im Vertragswege? Wir wollen einmal den Fall annehmen, daß Oesterreich und Preußen sich über die Theilung geeinigt hätten, glaubt man denn, daß nun die andern deutschen Regierungen ohne Weiteres sich diesem Beschlusse fügen, daß sie nicht unter Berufung auf die Wiener Verträge an die andern Großmächte appelliren und eine Einmischung derselben herbeiführen würden ? Es blieben dann für Preußen und Oesterreich nur Gewaltmaßregeln übrig, um die widerstrebenden Bundesgenossen zur Nachgiebigkeit zu zwingen; mit andern Worten eine Art Eroberungskrieg wäre die Folge dieses gemüthlich abgeschloffenen prenß. österreichischen Vergleichs. Daß Bauern in der That nicht ohne Weiteres sich den Wünschen Oesterreichs fügen werde, läßt sich schon aus beni dort in Aufnahme gekommenen "Vorschläge der Bildung eines süddeutschen Staateubuudes amtebmen, wie denn auch zur Zeit der Frankfurter Natioual-Verfammlung und des Erfurter Parlaments das Projekt eines „Drèi-Staaten-Bundes" in Bayern energische Vertheidiger fand. Wenn nun schon die