Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt,

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. [

--- thieitiHISitéiHeéiM --

(Expedition: am Geifipförtchen, Schlachchausgasse 21.)

M 137» Samstag den 12. Juni 1858»

Neberbliâ der Ereignisse im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.

Frankfurt, den 12. Juni. (Frankreichs Einfluß in der Türkei.) Der Sieg, den Frankreich kurz vor dem Ausbruch des orientalischen Krieges in der Frage der heiligen Stätten errang und seine gegenwärtige Stellung in der montenegrinischen Ange­legenheit bekunden den weitgreifenden Einfluß des Kaisers Nrpoleon im Orient. Uebrigens ist,derselbe nicht von heute und abwechselnd durch eine lange Kette von Ereignissen' be­gründet. Schon in den Kreuzzügen trat das französische Element so dominirend auf, daß seit jenen Zeiten im Orient der Name der Franken die allgemeine Bezeichnung für die katholischen Abendländer wurde. Französische Ritter gründeten unter Gottfried v. Bouillon das Königreich Jerusalem, das vorzugsweise durch den französischen Orden der Tempel­ritter fast ein Jahrhundert hindurch die Wogen der muselmännischen Fluth brach; das alte Acra führt bis auf unsere Zeiten den französischen Namen St. Jean d’Acre und Lud­wig der Heilige lieferte im Jahre 1250 Napoleon dem Ersten ein Vorbild in seinem gleich­falls verunglückten Zuge nach Aegypten. Im Wechsel zwischen Angriff und Bundesge­nossenschaft verlief dann Jahrhunderte hindurch das Verhältniß zwischen Frankreich und der neu gebildeten muselmännischen Hauptmacht , dem türkischen Reicke. Schon Carl V. von Deutschland wurde gehemmt durch das Zusammenwirken der Franzosen und Türken gegen ibn; mit Hülfe französischer Ingenieure eroberten im Jahre 1662 die Türken Candia und als Johann Sobiesky die Heere des Sultans vor Wien geschlagen hatte, fand man im Zelte des Großveziers die Korrespondenz des allerchristlichen Königs von Frankreich mit dem Sultan, die den Beweis lieferte, daß Ludwig XIV., um die eben erhaschte Beute von Straßburg sichern zu können, den Halbmond gegen Oesterreich in's Feld gesandt und seine Züge durch Angriffe vom Rhein her unterstützt hatte. Napoleon der Große, nach türkischer Redeweise der „Sultan des Abendlandes," erschütterte durch seinen Zug nach Aegypten und Syrien das türkische Reich; französische Truppen besetzten unter der Restart- ratton im Jahre 1828 die Halbinsel Morea und verjagten die ägyptischen Besatzungen; Algier, ein Schutzstaat der Türkei, wurde eine französische Kolonie und Napoleon III. sandte Flotten und Heere gegen die den Türken gefährliche russische Position auf der Krim. So hat der Orientale durch eine Geschichte von 8 Jahrhunderten die Machtwir- miigen Frankreichs im Angriff und in der Bundesgenossenschaft kennen gelernt, was Wunder, wenn nun bei dem Sinken der türkischen Macht der französische Einfluß auf die mnern Verhältnisse der durch religiöse und nationale Unterschiede in sich gespaltenen und gelahmten Türker eine große Bedeutung erlangt hat? Wènn der Umstand, daß 12 Millionen