Intelligenz-Blatt
der freien MM Frankfurts verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
---- «»»eee®e®»®@a®eeeee»e. ----
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
Jg 131. Samstag den 5. Juni 1858.
UeberblLE der Greignijse im Gebiete der politischen nn- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 5. Juni. (Zur Situation.) Als in der jüngsten Sitzung des englischen Oberhauses der Bericht über die Conferenz verlesen war, die zwischen den Lords und den Gemeinen über die Eid-Bill stattgefunden, erklärte Lord Lucan, er wolle zur fünften Klausel jener Bill ein Amendement Vorschlägen, welches die Entscheidung, zu welcher Ihre Herrlichkeiten in dieser Frage so oft schon gekommen, wo nicht ganz umkehren, doch gewiß sehr modifiziren werde. Er hofft dadurch dieser großen Frage (in Betreff der Juden- Zulassung) zur Erledigung zu verhelfen. Uebrigens handle er hierin ganz außer aller Parteiverbindung und werde auch von Niemanden beeinflußt. Auch habe er sich darüber in keine Communication mit dem Premierminister gesetzt. Das von ihm vorzuschlagende Amendement gehe dahin, daß es nach der Annahme dieser Bill dem Ober- und Unterhause, einem jeden für sich, gesetzlich freistehen solle, mittelst-Mesolution zu beschließen, daß, wenn es sich darum handle, ein Mitglied jüdischen Glaubens in Eid zu nehmen, die Formen des Eides, insoweit derselbe sich auf den christlichen Glauben beziehe, so mo- difizirt werden sollten, wie es die Gewiffensbedenken des betreffenden Glaubensgenoffen erheischten. Daß durch bloße Resolution ein Jude oder irgend eine andere Person in das Unterhaus zugelassen würde, dagegen sträube sich das Haus der Lords sehr, wie er Wohl wisse. Lord Campbell: „Nicht, wenn die Resolution durch eine Parlamentsacte sanc- tionirt wird." Graf Lucan dankte dem rechtsgelehrten Pair für diese Erklärung. Auch er sehe nicht ein, was in diesem Falle gegen eine solche Resolution einzuwenden sein sollte; die Resolution würde nur dann Anstoß erregen können, wenn sie den Statuten entgegen wäre, hoffentlich würden Ihre Herrlichkeiten den von ihm vorgeschlagenen Conipromiß annehmen. Habe er doch selbst von denjenigen Mitgliedern dieses Hauses, welche der Zulaffung der Juden ins Parlament am entschiedensten widerstrebten, stets die Meinung äußern hören, daß sie mit ihrem Widerstand nicht länger mehr durchdringen würden. Nachdem Graf Lucan seinen Vorschlag beantragt hatte, gestand auch Gras Stanhope, daß er in Rücksicht auf das, was in den letzten Jahren in dieser Angelegenheit vorgekommen, seine Ansichten geändert habe und sich einer Maßregel zu Gunsten der Juden nicht länger widersetzen werde.
Die Angelegenheit wegen der Hospizgüter beschäftigt noch immer Presse und Publikum in Frankreich und regt das „Univers" von Neuem zu einem energischen Artikel auf. Bei der letzten Audienz, welche die Präsidenten der Vereine zu gegenseitiger Hülfe beim Kaiser hatten, soll auch Herr v. Melun Veranlassung genommen haben, die Hospitien-Frage zur Sprache