Jutelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurts verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 125. Samstag den 29. Mai 1858.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 29. Mai. (Zur Situation.) Die Pariser Conferenz hat am 22., Nachmittags 2 Uhr, ihre Sitzungen eröffnet. Die Repräsentanten der Conferenz- mächte erhielten die offizielle Nachricht von der Zusammenbernfung der Conferenz nur kurze Zeit vorher. Die Tags vorher von London eingetroffenen Nachrichten sollen für die sofortige Zusammenberufung entscheidend gewesen sein. Die Conferenz findet übrigens unter günstigeren Verhältnissen statt, als man erwartete. Der Wunsch nack Verständigung, der auf allen Seiten im Vordergründe steht, läßt erwarten, daß man erreichen wird, was man erreichen will. Zwar ist über den Umfang der Fragen, die auf der Conferenz zur Erörterung kommen werden, noch wenig bekannt; aber so viel ist gewiß, daß die Organisation der Donaufürstenthümer, die Donauschifffahrtsacte, die Schiffbarmachung der Donaumündung und die montenegrinische Angelegenheit Hauptgegenstände der gemeinsamen Berathungen sein werden. In Bezug auf die erste dieser Fragen ist bereits jetzt schon außer Zweifel, daß die Union der Fürstenthümer keine Aussicht hat. Oesterreich und die Türkei finden dieselbe zu sehr im Widerspruche mit ihren Interessen, aber gerade weil sich die übrigen Conferenzmächte hier den Wünschen Oesterreichs und der Türkei accomodiren, dürften sich die letzter» auch zu Concessionen herbeilassen, durch welche den Fürstenthümern wenigstens eine Art Ersatz für die Nichtgewährung der Union geleistet werden kann. Vor allen Dingen aber dürften die christlichen Paciscenten des Pariser Vertrags für die geschichtliche Unabhängigkeit der Fürstenthümer sorgen und Bestimmungen treffen, welche sie für alle Zeit vor einer Behandlung als türkische Provinzen sicher stellen. In Bezug auf die Donauschifffahrtsacte haben sich die Mächte durch die strenge Unterscheidung der Frage: ob dieselbe ratificirt oder unratificirt der Conferenz vorzulegen sei, von der Frage: ob sie dem Wiener Kongresse und dem letzten Pariser Vertrag entspreche, in der letzten Zeit einander sehr genähert, indem in der erstern dieser beiden Fragen von der einen, in der letzter« von der andern Seite nachgegeben worden ist. Es soll die Auskunft in Aussicht stehen, daß Oesterreich die seit Abschluß der Donauschifffahrtsacte von Preußen, Rußland und Frankreich ausgesprochenen Wünsche und Forderungen zu Additional - Bestimmungen der ratificirten Acte erbebt und dieselben zugleich mit der Donauschifffahrtsacte der Conferenz vorlegt. Was die Schiffbarmachung der Donaumündung betrifft, so ist bekanntlich ein Streit darüber, ob dazu die Sminamündung oder der Georgskanal gewählt werden soll. Der Sachver- ständiste Preußens, der Rheinstrombaudirector Nobiling, hat sich bekanntlich aus technischen und finanziellen Gründen für die Sulinamündung ausgesprochen. Wie man sich schließlich in