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Intelligenz-Blau

der freien MM Frankfurt, zf^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.) ^^^^D

^ 123. Donnerstag den 27. Mai 1858.

UeberblLÄ der Greignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 27. Mai. (Die Engländer in Indien.) Während man im Parlament wegen der Uebertragung der indischen Regierung an die Krone verhandelt, lauten die Nachrichten vom Schauplatze des Kampfes viel trüber, als man sie zu erwarten berechtigt war. Nichts war natürlicher, als anzunehmen, daß wenn das letzte Bollwerk des Aufstandes, Lucknow, gefallen, auch die Arbeit gethan sei. Es scheint aber nicht der Fall zu sein, denn die Empörer haben sich zerstreut und setzen den Kampf fort. Die längere Dauer des Widerstandes ist es, welche ihn bedenklich macht. Nicht als ob die Rebellen im Stande wären, den Engländern an einem bestimmten Punkte Widerstand zu leisten, aber es ist zu fürchten, daß sie ihre Gegner zwingen, sich zu zerstreuen und sich in bloßen physischen Anstrengungen aufzureiben. Der berühmte Correspondent der Times, W. Russel, der mit lebendiger Darstellung einen scharfen, kühlen Blick verbindet, schickt jetzt mit jeder Post aus Indien Berichte, welche zwar der Tapferkeit seiner Landsleute volle Bewunderung spenden, aber doch die Sorge für die Zukunft nicht verhehlen. „Wenn, sagt er, die Eingeborenen erst erkennen, daß sie zwar nichts in offener Feldschlacht oder in einer Festung gegen uns ausrichten, aber daß ihre Kraft in einem Guerillakrieg liegt, bei dem sie uns abhetzen können, da kaum unsere Cavallerie, geschweige unsere Infanterie mit ihnen gleichen Schritt halten kann, daß wir namentlich in der Sonnenhitze nichts leisten können, ohne unsere Truppen zu decimiren: so ist nicht abzusehen, wie wir im Stande sein werden, die Ruhe zu erhalten. Machen wir jetzt auch Alles nieder, was wir treffen, wer steht für eine Erneuerung des Aufstandes?" Ferner fragt er: „Wie ist es möglich, ein Volk von 150 Millionen im Zaume zu halten, wenn das Volk nicht thatkräf­tig uns zur Seite steht, während es jetzt nur apathisch Alles geschehen läßt? wie ist es möglich, ohne daß wir außer unseren Truppen auch eingeborene Armeen bilden und wie bilden wir sie, so daß wir ihnen trauen können, nicht in ihnen uns feindliche Heere er­ziehen?" Diese Fragen sind nicht neu, aber Russel erläutert sie neu und bemerkt, wenn auch die englische Armee vervierfacht würde, sie bedürfte doch immer eingeborener Truppen, um sich frei bewegen zu können, und das Schlimmste sei, die eingeborenen Truppen fingen schon an, ihre Bedeutung zu fühlen und auch zu erkennen, auf welchem Wege sie es mit den Engländern aufnehmen könnten. Das Schlimmere ist aber etwas Anderes. Die eng­lische Macht in Indien läßt sich nicht vervierfachen, und wenn es möglich wäre, so würde dieses nur um so mehr England seinen Besitz verleiden. Ein englischer Soldat ist überall ein kostspieliges Wesen, am theuersten in Indien, weil er hier so oft erneuert werden