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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, /^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expeditton: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 122. Dienstag den 25. Mai 1858.

UeberbLLE der GreLgni^fe im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.

Frankfurt, den 25. Mai. Der in der Rastatter Besatzungsfrage am Bunde an­hängige Streit ist in der letzten Zeit in eine neue Phase eingetreten. Die „Oesterreichische Zeitung" vom 7. d. M. hat denselben von dem Rechtsboden der bestehenden Verträge auf das Gebiet der geographisch-militärischen Gründe hinübergeführt. „Die Vertheidigung des Oberrheins — so lautet im Wesentlichen die strategische Deduction Oesterreichs und Badens — ist Oesterreichs, die des Niederrheins Preußens Sache; Rastatt also fällt in die Sphäre Oesterreichs und ist daher von Oesterreich (neben dem Territorialherrn) allein zu besetzen, Mainz dagegen liegt an der Scheide beider Gebiete und bedarf daher einer gemischten Besatzung. — Außerdem liegt Rastatt zu entfernt von den preußischen Waffen­plätzen, während es den österreichischen nahe liegt." Wohlan! wir wollen dem Gegner auf das von ihm aufgestellte Kriegstheater folgen; wir wollen uns sein Eintheilungsprinzip einen Augenblick gefallen lassen — dann folgt aber aus feinen Prämissen, daß der Schutz von Mainz entschieden an Preußen fallen würde. Mainz ist nach den Worten eines be­rühmten militärischen Schriftstellers der Mittelpunkt und das strategische Reduit des mittelrheinischen Bollwerks, welches aus den Festungen Germersheim, Landau, Saarlouis, Luxemburg und Coblenz besteht. Dieser Halbkreis aber hält einen französischen Angriff von Mittel- und Norddeutschland ab; er deckt die Straße nach Berlin, nicht nach Wien. Ohne diesen Centralpunkt, welcher mit seiner Lage an zwei Flüssen und seiner ungeheueren Ausdehnung alle anderen umliegenden Festungen an Bedeutung überwiegt, ist diese Kette durchbrochen, sind die preußischen Rhcinprovinzcn umgangen, liegt das Deutschland nörd­lich der Mainlinie bis Erfurt schutzlos. Daß aber die feindlichen Angriffe nach den Haupt­städten zielen, und daß der Weg vom Oberrhein nach Wien nicht über Mainz, sondern wie die Geschichte niit blutigem Griffel oft genug ihn vorgezeichnet, durch Schwaben und Bayern über Stockach, Ulm, Donauwerth, Regensburg ic. geht, das zu wissen, bedarf es keiner tiefen geschichtlichen Kenntniß. Es ist dies durch Oesterreich selbst eingestanden, in­dem diese Macht von 1818—1839 Rastatt für überflüssig und nur Ulm für dem Interesse seiner Landesverthetdigung entsprechend erklärte. Es frägt sich ferner, ob Rastatt wirklich näher an den österreichischen, als an den preußischen Waffenplätzen liegt? Hiebei ist das Hauptgewicht auf die Mannschaft, nicht auf das Material zu legen und neben der absoluten Entfernung auch die Beschaffenheit der Verbindungsstraßen, ob Landstraßen oder Eisenbahnen, zu erwägen. Die beiden Bastionen, mit denen Oesterreich gegen Deutschland vorspringt, sind Böhmen und Tyrol. Das letztgenannte klei-