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Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

â 118. Donnerstag den 20. Mai 1858.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

UeberbLick -er CreignMe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 20. Mai. Dieser Tage fand in Cambridgehouse bei Lord Pal­merston eine Versammlung liberaler Parlamentsmitglieder statt. Die Zahl der An­wesenden belief sich auf 206. Ueber den Geist, der in der Versammlung geherrscht haben soll, widersprechen die Berichte der Partei-Journale einander. Nach den Einen herrschte Uneinigkeit, nach den Anderen Zwiespalt. So viel man aus dem Munde unabhängiger Mitglieder, die mit bei der Conferenz waren, erfahren konnte, haben Lord Palnierston's Erklärungen nicht so befriedigend gelautet, waren seine Zusagen nicht so bestimmt ge­halten, als daß diejenigen der Eingeladenen, die nicht früher entschlossen gewesen waren, seiner Fahne zu folgen, sich bewogen gefunden haben sollten, ohne weiteres Bedenken für seine Wiedereinsetzung im Amte thätig zu sein. Die Meisten gingen wie sie gekommen waren: schwankend und unschlüssig, aber bereit, dem alten Führer zu folgen, wenn er sich zu bestimmteren Zusagen herbeilassen will. Lord Palmerston, dem sehr präcise Fragen ge­stellt worden waren, hatte in sehr allgemeinen Ausdrücken geantwortet. Er werde stets eine liberale Politik verfolgen, werde die Stimme der Mehrzahl im Parlamente unverbrüch­lich als höchstes Gesetz ansehen u. dgl. mehr. Nur in Bezug auf die unbeliebsamen Kirchen­steuern erklärte er unumwunden, daß ihr Schicksal, seiner Ansicht nach, durch die letzte Ab­stimmung im Unterhause gegen dieselben unwiderruflich entschieden sei. Es war dies die einzige bestimmte Zusage, die er machte; sie wurde mit dem lebhaftesten Beifall begrüßt. Was die angedrohte Parlamentsauflvsung betrifft, so versicherte der edle Lord, daß er sie für einen bloßen Einschüchterungsversuch halte, denn verfassungsmäßig wäre sie diesem noch so jungen Parlamente gegenüber nur dann, wenn (sollte Cârdwell's Motion durchgehen) un­widerlegliche Beweise vorlägen, daß das Land in dieser Frage entschieden entgegengesetzter Ansicht als seine Vertreter sei. Ein solcher Beweis existire aber nicht; im Gegentheil das ganze Land verdamme den unbesonnenen Schritt Lord Ellenborough's. Und — fügte er schließ­lich hinzu- -wofern die Opposition eine Auflösung konstitutionell geradezu unmöglich machen wolle, so haben sie eben nichts weiter zu thun, als sammt und sonders gegen die Regierung zu stimmen. Eine überwältigende Majorität würde nothwendig der Regierung auch den letzten Vorwand rauben, zur Auflösung zu schreiten. Das war ein praktischer Fingerzeig für