Intelligenz-Blatt der freien jStairt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expeditton: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
â 116. Dienstag den 18. Mai 1858.
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UeberblLÄ der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 18. Mai. Die Reform des Zollvereins, seit Jahren das Thema der volkswirthschaftlichen Presse, hat auch bet den jüngsten Verhandlungen der Preußischen Landstände (über den Rübenzuckersteuer-Vertrag) eine Rolle gespielt, und die Nothwendigkeit derselben ist theils vom wirtschaftlichen, theils vom politischen Standpunkte mit eben so viel Schärfe als Unmuts besprochen worden. Am Einscbneidendsten und Un- umwundendsten sprach sich namentlich der Abgeordnete Wagner aus, und es ist gut von seinen Worten Akt zu nehmen, da sich darin die anti-zollvereinsliche Stimmung eines Theils der Preußischen Landstände am deutlichsten motivirt findet. Er sagte: „Meine Stellung zu dem Zollverein ist die, daß ich meinerseits in Uebereinstimmung mit dem Abgeordneten Reichensperger der Ansicht bin, daß die Stellung Preußens im Zollverein eine seiner nicht würdige ist, und daß dieselbe überdies in ihrer gegenwärtigen Gestalt und in ihrer gegenwärtigen Tendenz unhaltbar geworden ist, und daß Preußen, wenn es nicht zu einer Mittelmacht in Deutschland herabsinken will, seinen Schwerpunkt in etwas Anderem, als in den materiellen Interessen allein suchen muß. Der Zollverein war von Hause aus ein politischer Gedanke, und er ist auch Anfangs als solcher behandelt worden, er ist aber, wie ich glaube, jetzt in einer solchen Lage, daß er die politische Situation und Action Preußens schwächt und beeinträchtigt, und ich bin deshalb der Meinung, daß bei dem nächsten Termin Preußen die Verpflichtung hat, den Zollverein zu kündigen, selbst auf die Gefahr hin, mit Dessau und Sondershausein allein zu bleiben, ein Resultat, was ich nicht wünsche, was ich aber auch nicht besorge. Wir werden dann in der Lage sein, unsere Bedingungen zu stellen, und andere werden in der Lage sein, uns nicht entbehren zu können. Dann glaube ich ist der Zeitpunkt gekommen, wo Preußen eine seiner würdige Stellung im Zollverein einnehmen wird und einnehmen niuß. Ich will nur noch andeuten, daß nach meiner Ueberzeugung selbst in Betreff der materiellen Interessen der Schwerpunkt der Stellung und der Politik Preußens weniger nach Süden und Westen als nach Norden und Osten an der See liegt und daß wir nicht gut thun, das Verschieben und Unterstützen unserer Interessen nach jener durch solche Vinculirungen nach dieser Seite hin zu erschweren oder geradezu unmöglich zu machen. Ich glaube, daß es auf die Dauer unmöglich ist, daß neben 28 Zollvereins-Regierungen etwa noch 50 ständische Körperschaf-