Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, /^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
â 113. Donnerstag den 13. Mai 1858.
UJcSjgT* Wegen der Feier des Himmelfahrttages wird morgen Freitag kein Jntelligenzblatt ausgegeben.
Neberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 13. Mat. Ueber die drei großen europäischen Staatengrüppen enthält die „Leipziger Zeitung" einen bemerkenstverthen Artikel, dem wir das Folgende entnehmen: „Wir überblicken in diesen Tagen eine Karte unseres Erdtheils von den Mündungen des Tajo bis zum Bosporus und dem Ural. Indem sich Betrachtungen über die staatlichen Verhältnisse und die Wechselbeziehungen der verschiedenen Länder uns aüfdräng- ten, trat wieder einmal scharf hervor, wie tief die Gegensätze zwischen den drei großen Völkergruppen sind, welche Europa inne haben. Der Osten ist wesentlich slawisch, die Mitte germanisch, den Westen besitzen romanische Nationen. In allen ist der Gang der Geschichte ein durchaus verschiedener gewesen, und auch künftig muß er es sein, • weil er nicht sowohl durch die geographische Stellung der einzelnen Länder, sondern hauptsächlich durch die eigenthümliche und scharf ausgeprägte Naturanlage und die Begabung der einzelnen Völker bedingt wird. Im Osten lagern die slawischen Völker. Sie sind ohne eine Dynastie aus ihrem eigenen Blute, mannigfach getheilt, und bilden nur einen einzigen Staat, Rußland, dessen Kaiser aus einem deutschen Fürstengeschlecht entsprungen sind. Dick übrigen Slawen gehorchen Herrschern aus den Häusern Habsburg, Hohenzollcrn und Wettin, jene im Süden der Donau gehören dem Reiche des Sultans an. Für Rußland holte Peter der Große die Culturelemente aus Deutschland, und durch sie wäre das russische Leben und Weben nicht störend berührt worden, falls nicht auch der von Frankreich erborgte Mechanismus im Regierungs- und Verwaltungswesen hinzugekommen wäre. Dieser hat die Russen in ihrer innersten Volksthümlichkeit "geschädigt, und ist doch bis heute ihnen fremdartig geblieben. Daß man jetzt bestrebt ist, wieder einzulenken, um gesündere Grundlagen zu gewinnen, daß man ungeeignete, von Außen her zugebrachte EinrichtupMr beseitigt, wird sich bald als ersprießlich herausstellen. Man thut recht, die fremden. Culturelemente von einem solchen Staate nicht auszuschließen, aber man that nicht wohl, als man den fremden Verwaltungsmechanismus für die Regierung der Russen geeignet erachtete und in einem Lande zur Geltung brachte, wo er die Harmonie im Leben keineswegs fördern konnte. Der Russe wird um so mehr Tüchtiges in seiner Art leisten und seine geschichtliche Aufgabe erfüllen, je mehr man ihn in seiner Eigenthümlichkeit sich entwickeln läßt'/und ihn nicht als schroffen Gegensatz zum übrigen Europa Hknstellt, das ja test'