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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, /«fT^, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, /jwMgJ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. | D^WW^

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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

jg 107. Donnerstag dm 6. Mai 1858.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete -er politischen un- Materiellen Interessen.

Frankfurt, 6. Mai. (Preußens maritime Bestrebungen.) Umgeben von bedeutenden Mächten, die nach Außen sich durch eine Flotte geltend machen, konnte Deutschland bis jetzt in den außereuropäischen Streitfragen nur in zweiter Reihe entschei­dend eingreifen und mußte sich von viel unbedeutenderen Staaten, wie Schweden, Däne­mark und Sardinien an politischem Einfluß in Amerika und Asien überflügelt sehen. Fragt man, woher das komme, so wird man finden, daß der Mangel alles directen überseeischen Handels daran schuld war Der vielen Millionen Menschen, welche Deutschland bevöl­kern, waren in der Herbeischaffung der dem modernen Leben unentbehrlich gewordenen Güter der überseeischen Welttheile von fremden Staaten abhängig, eine Abhängigkeit, die weder einen großartigen Handelsgeist aufkommen, noch die Industrie zu ihrer höchsten Blüthe gelangen läßt; die Rhederei Deutschlands diente nicht dem eigenen Welthandels­verkehr, sondern befrachtete ihre Schiffe mit dem Reichthume fremder Nationen, statt den Erzeugnissen der deutschen Industrie, welche durch die Vollendung ihrer Fabrikationskunst so sehr geeignet ist, sich geltend zu machen, auswärtige Märkte zu verschaffen und dadurch die Productionsfähigkeit des Vaterlandes zu erhöhen. Die deutsche Handelsmarine war zwar eine der größten der Welt, was die Zahl der Schiffe betrifft; aber sie war die schutzloseste und vermochte sich deshalb nicht frei nach den fernen Märkten zu bewegen, wo die Fabrikanten ihr Material direct kaufen und ihre Erzeugnisse dirèct absetzen. Soll eine Handelsmarine zu irgend einer Selbstständigkeit gelangen, so muß ihr eine Flagge zur Seite wèhen, welche sie zu schützen vermag, welche den mit den überseeischen Staaten ge­schlossenen Handelsverträgen, wie den Maßregeln der in den Handelsstaaten eingeführten und anerkannten Consulate Nachdruck geben kann. "Wo war bisher eine solche Flagge für die deutsche Handelsmarine? Nirgends! In allen Streitigkeiten mit irgend einer aus­wärtigen Macht von noch so geringem Range mußte darum Deutschland die Hülfe einer andern einflußreichen Macht ansprecheu, um zuletzt doch zu unterliegen oder wenigstens jeden Erfolg seiner Ansprüche aufzugeben. Während andere Mächte durch den Besitz ihrèr Marine in den Stand gesetzt waren, Colonien zu gründen und dadurch ihren Staatsein­nahmen bedeutende Vortheile zuzuführen, mußte Deutschland viele Hunderttausende seiner Kinder über das Meer wandern sehen, um dadurch nur den Handel und die Productions- kraft des Auslandes blühend machen zu sehen. Den Kampf gegen diese Uebelstände hat Preußen in der neuesten Zeit mit Energie wieder ausgenommen. Hoffentlich wird derselbe in einer Zeit, wo man über die eigenen Interessen besser aufgeklärt