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Zntelligenz-Blatt

der freien AM Frankfurts verbnnden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachchausgasse 21.)

â 103. Samstag den 1. Mai 1858.

Ueberblick der Greignisse Lm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 1. Mai. (Rußlands Fortschritte in Asien.) Man hat sich oft über die Zwecke der russischen Politik in Asien getäuscht. Als die Engländer im mitt­leren Asien, wo sie hinkamen, den Einfluß Rußlands wahrnahmen, sowohl bei den auf seiner Grenze umherirrenden Stämmen, wie am Hofe zu Teheran, setzte sich die Meinung fest, daß die Zerstörung des englisch-indischen Reiches das geheime Ziel aller Anstrengrmgen Rußlands sei. Es schien, als ob Rußland die tatarischen Horden allmälig unter seine Autorität gebracht habe, sie nach europäischer Weise disciplinire, Bündnisse mit allen Fürsten durch Pensionen oder durch Gewalt einleite, auf den großen Landseen Asiens die Dampf­schifffahrt einführe, nur um die Eroberung Indiens vorzubereiten. Diese Auffassung ist keineswegs staatsmännisch. Die russischen Diplomaten wissen zwar sehr wobl, daß Indien eine leicht verwundbare Stelle der englischen Macht ist, Rußland kann allerdings durch stilles Wirken und durch die standhafte Ausdauer, die seiner Politik eigen ist, die Mittel vorbereiten, um seinen Nebenbuhler in Asien im Falle eines neuen Kampfes an den Ufern des Indus zu erreichen; aber es würde in einem solchen Falle eher daran denken, die muselmännischen Bevölkerungen Asiens auf Hindostan zu stürzen, als selbst die Eroberung desselben zu versuchen. Seine Herrschaft an den Ufern des Indus und Ganges müßte in demselben Maße eine Machtschwächung herbeiführen, wie sie gegenwärtig bei England hervortritt und bei der Entfernung von dem Hauptsitze des Reiches, dem Mangel eines festen Stützpunktes, der Ungesundheit des Klimas, der Unvereinbarkeit der Stämme und der Religionen und der Schwierigkeiten jeder Colonisation sich im Detail leicht nachweisen ließe. Rußland verfolgt keine Gedanken bloßer Eroberung, seine Entwürfe sind praktischer und großartiger. Die „Petersburger Zeitung" hat dies ganz richtig angedeutet. Als die „Times" vor einigen Monaten einen Artikel über den Antagonismus Rußlands und Eng­lands in Asien, über den unvermeidbaren Zusammenstoß der einst aus demselben erfolgen muffe, brachte, suchte die „Petersburger Zeitung" dagegen nachzuweisen, daß beide Völker zwar ähnliche Aufgaben zu erfüllen trachteten, daß aber die Erfolge ihrer beiderseitigen Anstrengungen nicht die Ursache sein müßten, beide Völker zu entzweien. „Wir erkennen, sagt der russische Publicist, offen das Recht Englands an, seine historische Mission im südlichen Asien zu erfüllen, aber zugleich halten wir fest daran, daß Rußland die semige im nördlichen, Asien habe. Rußlands Aufgabe aber auf dieser Seite des Erdtheils ist weit schwieriger als die Englands im Süden. Sibirien ist ein Riese, der durch Erstarrung gelähmt ist, dessen Puls schwach schlägt, dessen geivaltige Lebens-