Zntelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurts
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasie 21.)
M 101. Donnerstag den 29. April 1858.
Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 29. April. Die Continental-Eisenbahnbrücke zwischen Frankreich undEngland könnte man für einen bloßen Scherz eines müßigen Kopfes halten. Aber da das officielle Blatt des französischen Gouvernements die Grundzüge für das fabelhafte Unternehmen neulich mittheilte, so sieht man sich am Ende genöthigt, es für mehr als fabelhaft zu halten. Der „Moniteur" sagte kürzlich über den Riesenbau Folgendes: Die jeden Tag zunehmende Wichtigkeit des Verkehrs zwischen England und dem Kontinent erzeugte We Idee, das Vereinigte Königreich mit dem Festlande durch einen festen Weg zu verbinden. — Die Einen beantragten, auf den Grund des Gayals de la Manche einen Viaduct zu versenken und darin eine Eisenbahnverbindung herzustellen ; Andere suchen das Problem durch den Bau eiues Tunnels in dem Boden des Meeres selbst zu lösen. Heute bietet sich eine neue Lösung der Frage dar: eine Brücke, eine wirkliche Brücke, welche sieben Stunden lang, die Küsten Frankreichs und Englands verbinden würde. Diese von dem englischen Ingenieur Boyd projectirte Brücke würde vom Cap Grize Ney (an der franz. Küste) nach Dover, dem nächstgelegenen Punkt auf der englischen Seite, gehen. Die Ge- sammtlänge der Brücke wäre 18 englische Meilen; sie würde aus 19 Querlagern von je 500 engl. Fuß Weite bestehen. Jeder dieser Querbalken würde auf zwei gemauerten Pfeilern oder Thürmen ruhen und diese durch eine weite gußeiserne Röhre verbunden sein, in welcher zwei und wo nöthig mehr Eisenbahnlinien Platz fänden. Diese Brückenröhre würde 30 Fuß breit und 50 Fuß hoch sein; sie würde durch zahlreiche Fenster erleuchtet und durch Oeffnungen in den Pfeilerthürmen gelüftet werden. Die Pfeilerthürme , auf welchen die Röhre ruht, würden sich 300 Fuß über die Meercsstäche erheben, und so selbst zur Fluthzeit den größten Schiffen (deren Masten nur 217 Fuß über die Wasserlinie reichen) die Durchfahrt offen lassen. Im oberen Theile jedes Pfeilerthurmes würde sich ein Leuchtapparat mit Gaslicht befinden, und endlich soll auf jedem der Pfeiler eine mächtige, durch Elektrizität bewegte Alarm- Glocke angebracht werden, um die Fahrzeuge bei starkem Nebel zu warnen. — Die größte Tiefe des Meeres beträgt 31, die mittlere 21Va Faden, weshalb man dem Mauerwerke der Pfeiler an der Basis 300' Durchschnittsfläche gibt, welche an der Wasseroberfläche sich auf 150' verjüngt. Von diesem Puncte an würden sich, von der Höhe der höchste»