Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 97. Samstag den 24. April 1858.
Ueberblick der Greignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 24. April. Es ist für die allgemeine Anerkennung des Werthes der Statistik nicht unwesentlich, wiederholt darauf hinzuweisen, daß die Statistik nicht eine isolirte Wissenschaft ist, von der man Umgang nehmen sann; sondern wie es Medizinal- Rath G. Schweig in Karlsruhe (in seiner „Auseinandersetzung der statistischen Methode im besonderen Hinblick auf das medizinische Bedürfniß", im XUl. Band des Archivs für physiologische Heilkunde ausdrückt: „eine Methode, deren Gebiet sich über alle jene Wissensgebiete erstreckt, welche zu ihrem Fortschritt empirischer Zuflüsse bedürfen; eine Methode, Wege aufzufinden und näher anzugeben, wie man zu richtigen Angaben zu gelangen vermag; ein Weg, dein die Wissenschaft jetzt schon Vieles verdankt und mit jedem kommenden Tage mehr verdanken wird. In richtiger Würdigung dieser allgemeinen Anwendung der Statistik haben die Stände bereits 1850 zweitausend Thaler bewilligt, um populäre statistische Veröffentlichungen damit zu unterstützen. Dieser Zweck ist damals nicht erreicht worden, weil bei. wissenschaftliche Grund erst zu legen war, was seitdem durch die Tabellenwerke geschehen ist. Jetzt möchte es deshalb an der Zeit sein, mit einer solchen Publikation hervorzutreten. Es bieten sich dazu verschiedene Wege dar. Johannes Fallati hat (Zeitschrift für Staatswiffenschafteu 1845, 3tes Heft, auch Lübecker Blätter 1846, S. 60) dazu die Staatskalender und Staatshandbücher vorgeschlagen, indeß niöchte dieser Weg mehr für kleinere Staaten sich eignen. Das schon binlänglich starke preußische Staats- Handbuch würde zur unförmlichen Masse anschwellen. Besser eignete es sich, den in Belgien gemachten Vorgang eines Jahrbuchs anzunehmen. Der vielcitirte Pope'sche Ausspruch:
On forms of government let fools contest, The best ad minister ’d that is the best, hat in sofern eine gewisse Wahrheit, als das Suchen nach dem politischen Verfassungsideal seit Jahrtausenden keinen wesentlichen Fortschritt aufweis't, während die Fortschritte der Verwaltung nach Menschenaltern zählen. Die in allen Zweigen des heutigen Staatslebens herrschende Oeffentlichkeit, verbunden mit Entwickelung der materiellen Interessen, hat jener numerischen Behandlung aller realen Disciplinen Vorschub geleistet, welche man unter dem Namen Statistik fälschlich als eine eigene Wissenschaft betrachtet hat. In dem von Achenwall herrührenden Namen Statistik, d. h. Staatskunde, liegt schon die enge Auffassung ausgedrückt, welche eine spätere Ausbildung dieser Methode unermeßlich erweitert hat. Die Beziehung zum Staate hat sich ausgedehnt zur Beziehung auf die Menschheit. Schon sind die Gesetze erforscht, nach welchen die Handlungen des Einzelnen ihm unbewußt sich