Intelligenz-Blatt der freien AM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthansgaffe 21.)
^ 91. Samstag den 17. April 1858.
UeberblLÄ der Ereignisse im Gebiete der politischen nn- materiellen Interessen.
Frankfurt, 17. April. Die Geschichte der letzten vierzig Jahre erscheint unerfreulich. Es war eine Periode des unsichern Friedens, unaufhörlich unterbrochen von Zuckungen der Völker, die sich in einer unnatürlichen Lage befanden, und von Reactionen dagegen, von Versuchen Dritter, die Verwirrung in ihrem Sonderinteresse zu benutzen, aber Alles ohne genügenden Erfolg, unter sichtbarem Unsegen. Regierungen und Völker erschöpften sich in fruchtlosen Anstrengungen. Die Schuldenlast der Staaten und die Armuth mehrte sich, aber mit so vielen Opfern wurde nichts Sicheres und Dauerndes errungen. Eine Revolution, eine Restauration jagt die andere, keine siegte vollständig, Alles ging in Halbheit aus. Europa litt an einer ungeheueren Erhitzung, die immer in Mattigkeit endete, ehe das Bedürfniß der leidenden Natur wirklich befriedigt worden war. Mit diesen Sätzen beginnt das neueste Buch von Wolfgang Menzel, welches auch unter einem zweiten Titel: „Geschichte Europa's vom Sturze Napoleon's bis auf die Gegenwart", bekannt ist. In der innern Lage der europäischen Menschheit sind in der That seit den letzten vierzig Jahren große Veränderungen eingetreten. Die Privatexistenz, welche vormals durch Gemeinde- und Eorporationsrechte, durch geringe Steuern, wohlfeile Preise und mäßige Lebensart gesichert war, ist durch das enorme Anwachsen der Staatsschulden, der Steuerlast, durch das von der Bureaukratie wie vom Liberalismus wetteifernd geförderte Nivelliren, durch Gütertheilung, Güterschacher, Geldwirthschaft, Actienschwindel und schrankenlose Concurrenz, durch immer wachsende Theuerung und auch in den niederen Klassen sich verbreitenden Luxus bei einer ungeheueren Menge von Familienvätern tbeils vernichtet, theils schwer bedroht. Aus allen Klassen der Gesellschaft rekrutirt sich ein immer zunehmendes Proletariat, welches durch Armenhäuser, Gefängnisse und Auswanderung nicht erschöpft zu werden pflegt, daher neben der politischen Frage die sociale sich gebieterisch aufzudrängen beginnt. Keine Staatsgewalt, keine Macht der Bajonnette und ebensowenig Verfassungsparagraphen und Kammerdeclamationen sichern und retten vor diesem Elend, dem eine furchtbare elastische Kraft innewohnen wird, wenn es zum Aeußersten kommt. Auch die kirchliche Frage tritt jetzt in den Vordergrund. Nach einer langen Herrschaft des Unglaubens oder der religiösen Gleichgiltigkeit haben unzählige Seelen in allen Confessionen sich den verlaßenen Altären wieder zugewendet. Die Kirche ist wieder eine Macht der Zeit geworden, was hier die zagenden Herzen mit unendlicher Hoffnung erfüllt und dort neue Angst vor mittelalterlicher Hierarchie erweckt. Jedenfalls giebt sich in diesem neuen Frühlinge der Kirche, deren Wiederaufleben Viele nicht mehr für möglich gehalten hatten, am sichtbarsten das Walten Dessen