Zntelligenz-Blan der freien Stâ Frankfurts /S^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. I
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgafle 21.)
â 85. Samstag den 10. April 1858.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, ben 10. April. (Amerika oder Europa?) Daß die republikanischen Zustande eines Landes keineswegs der Moralität seiner Bewohner zuträglich sind, beweisen auch die amerikanischen Republiken, und zwar die vereinigten Staaten ebensosehr als die Staaten Centralamerikas und Südamerikas. Wenn die ersteren dennoch nicht in dem sichtbaren Verfalle sich befinden, wie die letzteren, so rührt das von den Zuflüssen her, welche Nordamerika fortwährend aus Europa, besonders aber aus Deutschland bekommt. Ohne die Einwanderung aus Deutschland wären die Städte des Innern nie gebaut worden oder doch nur elende Nester geblieben und die Seestädte hätten sich nicht bereichern können. Der eigentliche Nordamerikaner ist selten ein Ackerbauer; er überläßt den Ackerbau den Einwanderern und gründet dafür Städte, wo sich eine Landesstrecke mit Ackerbauern zu füllen beginnt; denn ihm geht die kaufmännische Spekulation über Alles. Das Glück, das er dabei macht, reizt dann auch die Neuangekommenen, die sich mit Ackerbau ein kleines Vermögen gemacht, ihre Farm wieder zu verkaufen, den Ackerbau aufzugeben und in die nächste Stadt zu ziehen, um daselbst einem leichteren Geldmachen sich zu widmen, wie es die Aankees thun. So wachsen die Städte auf eine unerhörte Weise. Chicago in Illinois, das 1840 nur 5000 Einwohner hatte, zählt deren jetzt 100,000 und Cincinnati" ist seit 1840 von 40,000 auf 125,000 Seelen gestiegen. In ähnlichem Verhältnisse vermehrt sich die Bevölkerung der übrigen Städte. In New-Hork stieg sie von 300,000 auf 770,000, in Brooklyn von 36,000 auf 200,000, in Philadelphia von 258,000 auf 425,000. Dieser ungeheuere Wachsthum der Städte ist nur der Einwanderung aus Deutschland zuzuschreiben, nicht aber den republikanischen Institutionen, wie die Amerikaner behaupten. Die Macht der Union ist nicht durch die, sondern trotz der republikanischen Institutionen gegründet worden; sie verdankt ihr Aufblühen äußeren Verhältnissen, die ein materielles Glück außerordentlich begünstigen, ermangelt aber gänzlich eines gesunden innern Kerns, einer Seele, die jede Fäulniß fern hält. Die Seele des nordamerikanischen Lebens ist die krasseste Weltsucht, das Streben nach Geld, der nackteste Mammonismus. Aus der Gleichheit dieses Strebens erklärt sich die geistige Oede des Volkes, die langweilige Einförmigkeit und Eintönigkeit in allen seinen Einrichtungen und Lebensäußerungen, Gewohnheiten, Gebräuchen und Sitten. Ueberall finden sich dieselben bürgerlichen Trachten, dieselben nur für das Bedürfniß, gebauten Häuser, dieselben gradlinigen numerirten Straßen ohne Namen, dieselben treibenden Gedanken, Geld zu machen. Wer viel Geld gemacht, ist ein ehren- werther Mann, gleichviel, welcher Mittel und Wege er sich dazu bedient hat. Sittliche