Zntelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
^ 67. Samstag den 20. März 1858.
Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 20. März. (Zur Situation). Die dem englischen Parlamente vorgelegte Correspondenz mit Frankreich besteht ans drei kleineren und zwei größeren Depeschen. In der ersten Depesche berichtet Lord Cowlev an Lord Clarendon, daß Graf Walewsky die falsche Deutung, welche seine Depesche erfahren habe, bedauere. Das zweite Aktenstück ist eine Depesche des Earl von Malmesbury an Lord Cowley, in welcher der englische Staats-Secretair des Auswärtigen erklärt, das britische Ministerium wünsche die Aufrechthaltung des englisch-französischen Bündnisses, sowie eine Ausgleichung des obwaltenden Mißverständnisses. Doch sehe es einer näheren Erklärung Walewsky's entgegen. Das dritte Dokument ist eine Depesche Lord Cowlcy's an den Earl von Malmesbury, aus welcher hervorzugehen scheint, daß einer Aeußerung Walewsky's zufolge der Kaiser der Franzosen keine Aenderung der englischen Gesetze verlangt hat. Das vierte Schriftstück ist eine Depesche Lord Malmesbury's, in welcher er die Erwartung ausspricht, daß eine schriftliche Antwort Walewsky's erfolgen werde. Das fünfte und letzte Dokument ist die an Persigny gerichtete bekannte Depesche Walewsky's. — Das italienische Parlament der constitutionellen Unionisten, dessen Verhandlungen jüngst einiges Aufsehen erregt haben, wird jetzt von mehreren Seiten für eine Mythe ausgegeben! Im „Morning Advertiser" machten mehrere Italiener darauf aufmerksam, daß man in keinem einzigen Hause in Newman-Street, wo die Couferenz getagt haben soll, etwas davon wissen wolle. „Daily News" wurde mit Anfragen nach den Adressen der Redner u. s. w. überhäuft und erklärt, die Berichte über die Conferenz-Verhandlungen seien der Redaction von unbekannter Hand zugestellt worden. Keiner der in London lebenden literarischen oder politischen Italiener habe einen einzigen der Signori gesehen, die in der Conferenz eine Rolle gespielt; kein Italiener habe ihre Wohnung ermitteln können, und doch sei es schwer, die ganze Geschichte für einen Schwank zu halten. Da der erste Bericht über das italienische Parlament ausschließlich in der „Times" erschienen sei und da sie in ihrem leitenden Theil den berühmten Geschichtsschreiber Farini als Verfasser der italienischen constitutionellen Adresse bezeichnet habe, so werde dieses Blatt am ehesten im Stande sein, nähere Auskunft zu ertheilen oder zu erforschen, ob der Vorfall Wirklichkeit oder Mystification war. Gegen die Existenz der italienischen Conferenz hatten außerdem „Daily-News" und „Advertiser", wie mitgetheilt, bescheidene Zweifel erhoben. Nun druckt das erstgenannte Journal folgendes, ihm zugegangenes Schreiben des Präsidenten H. C. Borromeo ab: „32. Great Union Street, 15. März. Auf Ihre heute gestellten Fragen muß ich Sie höflichst ersuchen, an-