Zntelligenz-Blatt der freien MM Frankfurts ^M verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,
und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
J^ 31. Samstag den 6 Februar 1858.
Ueberblick der Greignisse im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 6. Februar. Ein von dem Vorstand der evangelisch-deutschen Gemeinde in Konstantinopel erstatteter siebenter Jahresbericht bringt uns wieder viele erfreuliche Nachrichten über die Lage dieser Gemeinde. Dieselbe beginnt sich nun auch innerlich fester zu begründen. In früheren Jabren machte sich, namentlich durch Ehebündnisse, das Eindringen levantinischer Elemente zum Nachtheil der Confessionstreue und des Deutschthums sowohl der Eltern als der Kinder ost sehr fühlbar. Aus dem jetzt vorliegenden Bericht ersehen wir jedoch, daß dieses Eindringen morgenländischer Elemente nachläßt und deutsch- levantinische Mischehen seltener vorkommen. Innerhalb des abgelaufenen Jahres waren in der Gemeinde 10 Ehen und zwar nur rein deutsche Ehen geschloffen worden; 8 dieser Ehen waren zugleich rein evangelisch. Auch die Taufen gaben den Beleg, daß das deutsch- evangelische Element in der Hauptstadt des türkischen Reiches erstarkt. Es wurden in der Gemeinde während des abgelaufenen Kirchenjahres 28 Taufen (12 mehr als im Vorjahre) vollzogen; 14 der getauften Kinder kamen aus rein evangelischen Ehen und 11 aus Mischehen, indem sämmtliche Kinder evangelisch erzogen werden, auch wenn der Vater der evangelischen Religion nicht angehört. Zwei Taufen wurden an Erwachsenen (Vater und Tochter) vollzogen, die von dem mosaische» Glauben zu der evangelischen Kirche übertraten. Confirmirt wurden in der Gemeinde während eben dieses Zeitraumes 5 Mädchen und 3 Knaben. Unter diesen Konfirmanden befand sich ein ursprünglich in der griechisch-orthodoxen Kirche getaufter Knabe. An den Austheilungen des heiligen Abendmahls nahmen in diesem Jahre 102 Personen (7 mehr als in dem verflossenen Kirchenjahre) Theil. Durch den Tod hat die Gemeinde während dieses Jahres nur 15 Zugehörige, 7 Erwachsene und 8 Kinder verloren. — Aus wie verschiedenen Bestandtheilen die Gemeinde zusammengesetzt ist, das zeigt schon die Verschiedenheit des politischen Schutzverhältnisses, in welchem die Gemeinde-Angehörigen stehen, wenn auch die preußische Schutzzugehörigkeit die bei weitem vorherrschende ist. Von den 10 während dieses Jahres in der Gemeinde getrauten Paaren gehörten 7 unter preußischen, 1 unter hanseatischen, 1 unter österreichischen und 1 unter französischen Schutz. Von den Getauften waren 14 preußische, 3 dänische, 3 türkische, 2 hanseatische , 2 österreichische, 2 französische und 2 russische Schlitzauge- hörige. Bei 11 Beerdigungen ertheilte die preußische Gesandtschaftskanzlei den Schutz, bei einer die hanseatische, bei einer die österreichische, bei einer die französische und bei einer die schwedische Gesandtschaft. Von den Confirmanden waren 2 aus Neapel, 2 aus Odessa, 2 von Pera, 1 von der Insel Syra uno 1 aus Bruffa in Kleinasien. —