Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurts verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
J£ 27. Dienstag den 2 Februar 1858.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 2.Febr. (Eine wichtigeFrage der Gegenwart> Ueber die Frage der Bundesreform hat sich zwischen der „Franks. Postzeitung" und der „Berliner Zeit" eine lebhafte Polemik entsponnen. Bei dem allgemeinen Interesse, welches diese Frage beanspruchen darf, theilen wir den Hauptinhalt^des Artikels der „Zeit" in Folgendem mit, um die hiesigen Leser der Postzeitung in den Stand zu setzen, selbst darüber zu urtheilen, ob die dem Artikel der „Zeit" so reichlich gespendeten Vorwürfe der Sophistik und der geflissentlichen Verdrehung und Entstellung in Wahrheit begründet sind. Indem wir hiermit eine Pflicht der Gerechtigkeit zu erfüllen glauben, wird die Mittheilung zugleich dazu dienen, über den eigentlichen Sachverhalt' Aufklärung zu verbreiten. „Dieselben Staaten, Staatsmänner und Redner, welche die Suspension des Art. 29 der Wechselordnung bitter beklagen, entziehen das Handelsgesetzbuch der Bundes-Legislation und wollen auch dies zu einer Partikular-Gesetzgebung der einzelnen Staaten machen. Sie gehen also darauf aus, Vorgänge, wie der gerügte, zu vervielfältigen, sie gefährlicher zu machen und dem Volke von vornherein das Vertrauen auf Werth und Bestand der großen Arbeit zu rauben, für die sie das Nationalgefühl zu wecken sich beflissen zeigen". Mit dieser Anklage gegen Preußen schließt ein Artikel der „Franks. Postzeitung" vom 13. v. M., welcher die Ueberschrtft: „Ein Wort über die deutsche Einigkeit" in materiellen Fragen an der Stirne trägt. In der That, eine seltsame Logik! — Um die deutsche Einigkeit zu fördern, beschuldigt man Preußen der undeutschen Gesinnung, einer national-gefährlichen Politik und der absichtlichen Untergrabung des allgemeinen Vertrauens! Und oas auf dem Gebiet der materiellen Interessen, bei einem Werke, wie das Handelsrecht, dessen Entwurf von Preußen ausgegangen, die Frucht Jahre langer sorgfältiger Arbeiten der intelligentesten Kräfte der Regierung und des Kaufmauusstandes bildet. Derartige, nur in absichtlicher Selhstverblendung wurzelnde Anschuldigungen tragen durch ihr Uebermaß ihre Verurthei- lung in sich selbst. Wir gehen daher auch nicht weiter auf sie ein. Was wir wollen — das ist einfach, das Programm der deutschen Einigkeit beleuchten, welches die „Postzeitung" im Namen des National-Jnteresses aufstellt. „Wir verlangen", so läßt sie sich vernehmen: „1) Uebertragung der den einzelnen deutschen Staaten zustehenden Legislatur an die Bundesversammlung. Alle auf materielle Fragen bezüglichen Anordnungen müssen, demnach „in Form von Bundesgesetzen" erlassen werden. 2) Diese Form nimmt allerdings der Partikular-Gesetzgebung die Befugniß der Aufhebung oder einseitigen Abänderung der einmal beschlossenen materiellen Anordnungen. Wir verlangen aber im Namen des