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Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, ^^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,

und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpsörtchen, Schlachthausgasse 21.)

J£ 19. Samstag den 23. Januar 1858.

Ueberbliâ der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 23. Januar. (Zur politischen Situation). Quid faciamus nos? — so heißt eine vor Kurzem erschienene Broschüre, in welcher der anonyme Verfasser sehr warm für eine Allianz Preußens mit England und Oesterreich in die Schranken tritt und Preußen zugleich ebenso dringend vor einem Bündnisse mit Rußland oder Frankreich oder mit beiden Mächten zugleich warnt. Die Flugschrift hat in politischen und publizi­stischen Kreisen nicht geringes Aufsehen erregt und einen guten Theil Don Freunden und Anhängern in Deutschland gefunden, aber es haben sich auch namhafte stimmen dagegen erhoben, worunter wir nur die Berliner „Zeit" nennen wollen, welche über das vom Verfasser genannter Broschüre vorgeschlagene preußisch-englisch-österreichische Bündniß sich unter- Andern also ausläßt: Die physiologischen Betrachtungen über England enthalten man­ches Richtige, manches Gute; aber das Richtige ist nicht neu und beweist Nichts für den vorliegenden Zweck. Wir stellen es nicht in Abrede: England ist eine gewaltige Macht, welche ihre Wurzeln in dem Muth und in der Festigkeit eines mannhaften Volkes hat und welcher die meerumschlossene Lage des Landes, wie der Besitz einer großartigen Flotte, unzähliger Kolonien und unermeßlicher Kapitalien, in Verbindung mit einem die Industrie und den Handel der Welt beherrschenden Unternehmungsgeiste trefflich zu Statten kommt. Wir rechten nicht mit dem Verfasser, wenn er die Landmacht des britischen Reiches mit der Seemacht desselben auf eine Linie stellt, für die „straffen Muskeln und derben Fäuste" schwärmt und begeistert ausruft: „England ist Rom und Karthago zugleich!" Ja, wir stimmen aufrichtig zu, wenn er die Gleichheit der Religion, die Verwandtschaft in Natio­nalität und Sprache, in Sitten und Gebräuchen, wie im literarischen und künstlerischen Geschmacke, die Ähnlichkeit in der Auffassung des Staatslebens und vor Allem in der Tiefe des Rechtsbewußtseins als eben so viel Zeichen einer idealen Harmonie zwischen Preußen und England anführt. Wenn irgendwo achtungsvolle Anerkennung für britisches Wesen, aufrichtige Theilnahme für britische Interessen zu finden, so ist es in Preußen. Aber — dies müssen wir leider hinzufügen, — wenn irgendwo Gleichgültigkeit oder gar Gegnerschaft gegen preußische Empfindungen und Bestrebungen zur Erscheinung kam, so war es in England. Wir sind weit entfernt, der edlen britischen Nation oder ihrem er­lauchten Herrscherhause zu grollen, zu welchen Preußen durch ein von allen Seiten freu­dig begrüßtes verwandtschaftliches Bündniß binnen kurzem in ein näheres Freundschafts­Verhältniß treten wird; nichtsdestoweniger dürfen wir es nicht verhehlen, daß die englische Politik, wie sie in den letzten Jahren gehandhabt worden ist, sich fast immer antipreußisch