Jnteliigenz-Blatt der freien Madi Frankfurts ^^^. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,
- »und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. H
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 15. Dienstag den 19 Januar 1858.
Ueberblick der Greègnijfe im Gebiete der politischen nn- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 19. Januar. Durch ein eigenthümliches Zusammentreffen ist am 14. d. M. der Ausschußbericht über die holstein-lauenburgische Angelegenheit in der deutschen Bundesversammlung erstattet worden, während an demselben Tage zu Kopenhagen der dänische Reichsrath eröffnet worden ist. Aus der Eröffnungsrede des Königs 'geht' deutlich hervor, daß das dänische Cabinet schwerlich aus freien Stücken den von den deutschen Mächten an dasselbe gestellten Anforderungen Folge geben wird, indem jene Rede der Ständeversammlung Holsteins und Lauenburgs sogar einen Vorwurf daraus macht, durch ihre Auffassung der dortigen Landesverhältnisse Verhandlungen mit den Regierungen Oesterreichs und Preußens veranlaßt und die Verweisung dieser Sache an den deutschen Bundestag bewirkt zu haben. Auch lassen sich von den Verhandlungen des Reichsraths, in welchem die deutschen Landestheile so gut wie gar nicht vertreten sind, keine für die Lösung der obschwebenden Frage zufriedenstellenden Resultate erwarten. Aber desto sicherer darf man sich der Hoffnung hingeben, daß der deutsche Bund im Bewußtsein seiner unbestrittenen Kompetenz in dieser rein deutschen Angelegenheit im Jahre 1858 eine andere Sprache gegen Dänemark führen wird, mit dem die Diplomatie bis jetzt einen erfolglosen Federkrieg geführt hat. Bereits sollen nach einem norddeutschen Blatte" die Kabinette von London und Paris mit der Auffassung der holsteinischen Frage, welche die Depesche des Fürsten Gortschakoff enthielt, sich einverstanden erklärt haben, und es wäre daher auf diese Weise dem gemeinsamen Auftreten Preußens und Oesterreichs gelungen, der diplomatischen Action des deutschen Bundes bei den europäischen Höfen Geltung und Terrain zu verschaffen. Jedenfalls wird nunmehr das einmüthliche Vorgehen Oesterreichs und Preußens in Ausführung der zu erwartenden energischen Bundesbeschlüsse und mit der moralischen Cooperation der auswärtigen Kabinette die Angelegenheit in diesem Jahre in eine ganz neue Phase bringen, welche die Erledigung derselben zur Zufriedenheit der Herzogthümer * und zur Ehre Deutschlands, das sich seiner bedrängten Brüder an der Nordsee so warm angenommen, in baldige Aussicht stellt. Ueber die im verflossenen Jahre in der schleswig- Holsteinischen Frage gepflogenen Verhandlungen gibt uns eine in Hamburg unter dem Titel: „Die holsteinische Sache im Jahre 1857" erschienene Broschüre einen kurzgedrängten, aber inhaltsgetreuen Auszug, den wir hier mit einigen Worten erwähnen wollen. Mit der duplicirenden Erklärung des dänischen Cabinets vom 23. Februar auf die im Jahre 1856 von beiden deutschen Großmächten an dasselbe erlassenen Noten nnd der jene Erklärung begleitenden Staatsschrist beginnend, geht der Verfasser der Broschüre