Intelligenz-Blatt
der frein AM Kankfnrl, JS^ verbunden mit de» Mtdlatt. Organ der hiesigen StaatS- behörde«, und de» /reikfurtir Rachrichte« als Extrabeilage
(Expedition: sm Geistpförtchen, Schlschthausgaff« 21).
M 296. Dienstag den 15. December 1857.
Ueberblicke der Creignijse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 15. December. (Credit und Speculation). Die Ereignisse in Hamburg lassen einen tiefen Blick in die Natur und die Ursachen der jetzigen Krise thun. Daß die amerikanischen Wirren den ersten Anstoß gaben, ist richtig. Allein eine so totale Umwälzung und Zerrüttung aller Handelsverhältnisse kann unmöglich durch die Verluste der Hamburger Exporteure bewirkt worden sein. Der Verkehr mit den Vereinigten Staaten bildete nur 2,s resp. 2,* Procent der ganzen Handelsthätigkeit Hamburgs im vorigen Jahre. Auch die Panique, welche nach den ersten Schlägen die ganze Geschäftswelt beherrschte und ein allgemeines Mißtrauen hervorrief, so daß die besten Wechsel zu werthlosen Papierstreifen geworden waren, erklärt nicht die ganze Größe des Uebels. Wenn man an die Anstrengungen denkt, welche gemacht wurden, um die größeren Häuser, Ulberg u. Cramer z. B., zu halten, an die Bemühungen einzelner Banquiers, wie Heine, durch liberales DiScontiren Erleichterung zu schaffen, an die Gründung des Garantievereins, um wirklich solvente Firmen aus der momentanen Verlegenheit zu reißen und durch solidarische Verbindlichkeit den Credit aufrecht zu erhalten, so scheint eS unbegreiflich, daß Alles dies erfolglos bleiben konnte. Hätte es nur an Vertrauen gefehlt, die Krisis wäre durch diese Mittel aufgehalten worden. Gegen die wahren, von Tag zu Tag deutlicher hervortretenden Ursachen derselben: Ueb ermaaß der Spekulation und Mißbrauch des Credits, konnte aber mit diesen Mitteln nichts ausgericht-t werden und diese Ueberzeugung, erlangt durch die Einsicht in die Geschäftsführung vieler hülfSbedürftigen Firmen, war es, welche den Garantie-Verein bewog, sich aufzulösen. In der That, der Waarenhandel hat zuletzt wenig Ursache gehabt, vornehm und verächtlich auf die Börse herabzublicken. Jener rechnete darauf, die bezogenen Waaren vor Verfallzeit der dagegen ausgestellten Wechsel mit Nutzen verkauft zu haben, wenigstens im Stande zu sein, durch neue Wechselverbindlichkeiten die alten zu decken, diese glaubte sich längst vor Beginn der Einzahlungen der gezeichneten Papiere natürlich ebenfalls mit Vortheil entledigen zu können. Beide vertheuerten den soliden Geschäften, jener die Waaren, diese die Capitalien. So ohnmächtig sind aber die natürlichen Gesetze des Verkehrs nicht, daß sie ungestraft von einigen Spekulanten mit Füßen getreten werden könnten. Ein Hauch genügte, um das künstliche Gebäude des Credits über den Haufen zu werfen. Die Börse hat dies schon früher erfahren. Heute ist der Waarenhandel an der Reihe. Die unnatürlich in die Höhe getriebenen