Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freies StaM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage

(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21).

42 184, Donnerstag den 6. August 1857.

AbonnementöpreiS für'S halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer MontagS EinrückungSgebühren; 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblieke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 6. August. Die indische Angelegenheit befindet sich jetzt, im Zwischenraum zwischen zwei Posten, gerade in der Schwebe und ehe daS Gerücht, daß Delhi gefallen sei, constatirt ist, kann man nichts thun, als die gegenwärtige Verbrei­tung des Aufstandes constatiren. Man weiß jetzt, daß man es mit einer weitverzweig­ten Empörung zu thun hat welche bei der 100jährigen Wiederkehr des TageS von Plas- sey auSbrechen sollte. An 20 Orten, worunter Mizut, Delhi, FiroSpur, Lucknau, Nusst- rabad und Benares brach fie zu früh los. In BenareS gelang es der englischen Ar­tillerie, den Aufstand zu bemeistern; in Allahabad aber gab gerade jenes Regiment (das 6. Jnfant. R.) das Signal dazu, welches einige Tage vorher sich freiwillig erboten hatte, gegen Delhi zu marschiren und deshalb vom Generalgonverncur öffentlicht belobt wor­den war. In Gwalior empörte sich das Contingent; der Maharadschah beschützte die englischen Offieiere und Frauen, die wohlbehalten in Agra ankamen. JnCalcutta, Bar­rackpore und Multan wurden die einheimischen Truppen aus Vorsicht entwaffnet. In Calcutta ist übrigens ein freiwilliges Wachcorps errichtet und Oberstlieutenant Cavanagh zum Commandanten desselben ernannt worden. Nachdem die Entwaffnung der Sepoys vorgenommen war, wobei man ihnen jedoch bedeutete, nach Herstellung der Ruhe wür­den sie ihre Waffen wieder erhalten, inzwischen aber den Sold fortbeziehen, find einige Unteroffiziere mit mehreren Gemeinen aus dem Fort desertirt. Unter den Ursachen, welche die Empörung hervorgerufen haben sollen, wird auch eine Prophezeiung genannt, welche von einem Fakir im Pendschah herrühren und 700 Jahre alt sein soll. Ein Auszug circulire unter Hindus und Mohamedanern im Nordwesten und schließe mit der Versicherung, das Ende der Nazarenerherrschast (d. h. der englischen) in Ostindien werde im Jahre 1260 der Hedschra, also 1864 eintreten. WaS Delhi betrifft, so wur­den die Empörer, welche einen Ausfall machten, zwar am 8. Juni mit großem Verluste zurückgeschlagen, und es fielen 28 Kanonen in die Hände der Engländer, welche die Höhen besetzt hatten; aber General Sir Henry Barnard, der dort commandirt, dürfte vor Ankunft von Verstärkungen keinen entscheidenden Angriff versuchen können. Delhi ist von einer hohen mit Schießscharten versehenen Mauer, einem tiefen Graben und