Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage
(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21).
1857.
J£ 178.
Donnerstag den 30. Juli
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Ueberblieke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 30. Juli. Da gegenwärtig zwischen den Zollvereinsregierungen Verhandlungen über eine neue Regulirung der Rübenzuckersteuer schweben, so dürfte es von Interesse sein, durch eine Geschichte der französischen Gesetzgebung über die Bcfteue-
rung des Zuckers nachzuweisen, wie sehr die beschützte Runkelrübenzuckerfabrikation die Fabrikation des Rohzuckers zu überflügeln und am Ende zu unterdrücken vermag. Trotz seiner Zucker-Colonien hat Frankreich die größte Runkelrübenzuckerfabrikation von Europa. Im Jahre 1853 waren daselbst 333 Fabriken, mit einer Produktion von 1,327,221 Ctr. vorhanden (während im Zollverein in jenem Jahre 1,219,320 Ctr. Rübenzucker,' in Rußland in 360 Fabriken nur 300,000 Ctr., in den übrigen Ländern zusammen mit 255 Fabriken nur 211,000 Ctr. gewonnen wurden). Zur Zeit der Continentalsperre ergriff Napoleon sehr lebhaft die, ursprünglich deutsche, Entdeckung der Zuckerbereitung auS Runkelrüben. Während nach Aufhebung der Sperre in Deutschland diese Fabri- ätivn bis in die 30ger Jahre fast still stand und man sich wieder auf die Rohrzucker- abrikation legte, fuhren in Frankreich wenigstens einige Fabriken fort die Runkelrübe u verarbeiten, 1819 waren in Frankreich etwa noch 20 Fabriken, aber bald gewannen
ie Bedeutung, und die anfangs gering geachtete Industrie wurde mächtig genug um die tristen; der französischen Colonien, den französischen Handel, die Einkünfte deS Schatzes zu bedrohen. Im Jahre 1828 waren in Frankreich 53 Fabriken in Thätigkeit und 31 in der Anlage begriffen, die etwa 4 Mill. Kilogramm (80,000 Ctr.) producirten. Die Interessenten des Colonialzuckers fingen an unruhig zu werden und veranlaßten eine Nachforschung über den Stand der Ruukelrübenzuckerfabrikation, Einer der Fabrikanten auf Runkelrüben sprach die Meinung aus, daß, wenn die Runkelrübenzuckerfabrikation ferner durch den Zolltarif denselben Schutz genösse, dieselbe binnen 10 Jahren den Zuckerverbrauch von ganz Frankreich würde bestreiten können, bei gleicher Stellung aber die Concurrenz mit den Colonialzuckerfabriken ertragen könnte. Ein anderer stellte die Möglichkeit hin, den Runkelrübenzucker für 30 FrcS. pro 50 Kilogramm (3 Thlr. pro Ctr.) herzustellen und die Erfahrung hat gezeigt, daß er Recht hatte. — Die Portheile tpelche