Intelligenz-Blatt
der freies Stadt Mksurt, ^^
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der piefigen Staats- behörden, und den FrauLfarter Nachrichten als Ertrabeilage f^Ä>
(Expedition r am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21).
â 170. Dienstag den 21. Juli 1857.
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Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 21. Juli. Bereits vor Aufhebung der Censur hatte die außerösterreichische deutsche Presse, besonders seit 1840, eine Schule der politischen Bildung durchgemacht, welche, sobald die Zeit der leidenschaftlichen Aufregung vorüber war, die Schroffheit deS UebergangS von Bewunderung zur Bildung kaum bemerken ließ. Wir sprechen dabei nicht allein von eigentlicher Politik, sondern auch von staatSwtrthschaft- lichen Fragen, und da hatte beispielsweise die Polemik zwischen Freihändlern und Schutzzöllnern das Publikum gelehrt, stets beide Seiten der Frage zu betrachten und nicht auf das Wort einer Zeitung zu schwören. Ganz anders war eS in Oesterreich. Eine discutirende Presse bestand bis zum März 1848 weder in diesem Reiche selbst, noch kam von auswärts, bei dem völligen Verbot oder der erschwerten Beziehung der wichtigsten deutschen Blätter, eine andere Stimmung zur Geltung, als die der „Allg. Ztg." Unter diesen Umständen war das Publikum des kritischen Denkens nicht gewohnt, und als nach dem Chaos des Sommers und Herbstes 1848 eine große Presse in Wien sich entwickelte, war das Publikum der Hauptstadt rettungslos der talentvollen Sophistik derselben hin- Seben. Die Versuchung, diese Macht zu mißbrauchen, war zu groß für die Leiter èr Pkeffe, und sie sind ihr erlegen. Ein bedauerlicher Skandal beschäftigt bereits seit einet Woche einen großen Theil deS Wiener Publikums, nämlich ein ganz persönlicher, in bisher unerhörter Weise geführter Zeitungsstreit zwischen dem Eigenthümer und Redacteur der „Presse", August Zang, und dem ehemaligen Redacteur des „Lloyd", Eduard WarrenS, jetzigen Redacteur deS handelspolitischen Theiles der halboffiziellen „Oesterr. Zeitung" — (wie man sagt mit 6000 Gulden Gehalt). Der leidige Hader, in dem sich beide Herren gegenseitig die gröbsten Beschuldigungen öffentlich zuschleudern, macht um so mehr Aufsehen, da die streitenden Personen in Wien allgemein bekannt find und der zuletzt Genannte namentlich in publizistischer Beziehung ein gewisses Ansehen genoß. Die Speculationsmanie, welche in der letzten Zeit in Wien so arg grassirte, hat mit so vielem Unheil auch dieses angestiftet. Beide Herren waren bei verschiedenen Börsenoperationen betheiligt und befanden sich namentlich auch in jener Opposition gegen den Berwaltung-rath der Credit-Anstalt. Beide sollen dabei erhebliche Verluste erlitten