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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt /rankfurt, zfS|

Verbunden mit deM ANtsblatt, Organ der hiesigen StaatS- dehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage ^Mâ^W

(Erpeditisnr am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21). X^s^^

M 144. Samstag den 20. Juni 1857.

Abonnementspreis für'S halbe Jahr 2 fL 30 fr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückung Sgebührenr 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Neberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.

Frankfurt, 20. Juni. Das von den liberalen Journalen Belgiens sofort nach Vertagung der Kammern alS wahrscheinlich angekündigte Ereigniß ist nun wirklich ein- getreten: die diesjährige legislative Session ist auf Antrag deS Ministeriums durch königliches Dekret geschloffen worden. Unter den obwaltenden Verhältnissen wird diese Maßregel zwar nicht verfehlen, wenigstens für die nächste Zeit beruhigend auf die im Lande herrschende Aufregung einzuwirken, aber man würde sich täuschen, wenn man an­nehmen wollte, daß die Situation dadurch an Klarheit und Unverfânglichkeit gewonnen hätte. Im Gegentheil, es scheint fast bei näherer Prüfung, alS ob das Ministerium, indem es vor den öffentlichen Manifestationen noch einen weitern Schritt zurückweicht, ohne doch dem, waS diese Manifestationen erstreben, Rechnung tragen zu wollen, wieder von zwei üblen Dingen nur das anscheinend weniger Schlimme gewählt hat, das aber dennoch dem Wesen nach und gerade dem belgischen Repräsentativsystem gegenüber sich kaum alS das minder Gefährliche bewahren dürfte. Die Situation, die sich aus dem plötzlichen Ahbrechen der Diskussion über das WoblthâtigkeitSgesetz entwickelt hat, faßt die „Zeit" wie folgt zusammen. Die Kammer-Majorität der klerikalen Partei votirè gegen die sehr beträchtliche Minorität der Liberalen die beiden Hauptartikel deS Wohl- thätiqkcitsgefetzes, das dem Lande als identisch mit Wiederherstellung der Klöster und des Besitzes zur todten Hand bezeichnet wird. Folgen darauf die bedauerlichen Ercesse, die mit Vertagung der Kammern beschworen werden, folgen weiter auS den meisten be­deutenden Städten des Landes Adressen der Gemeinderäthe, die den König um Zurück­ziehung des Gesetzentwurfs bittend. Angesichts dieser Manifestationen wird die klerikale Partei sowohl, wie das Ministerium selbst über ihr weiteres Verhalten unsicher. ES handelt sich in der Parteiversammlung, die bei dem Grafen Merode statt hatte, wie im Ministerrath in der That darum, ob der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Gestalt zurück­gezogen w,rdkn soll, oder -ob nicht. Für daS erste sprechen die gemäßigten Klerikalen und im Ministerium die Herren Dedecker und VHain XIV.; aber diese Meinung dringt nicht durch, und eS wird ein Mittelweg ergriffen, der, im Grunde genommen, keine Partei befriedigen kann. Der Bericht deS Ministeriums nämlich, der bei dem König