Intelligenz-Blatt
der freien Stadt /rasiert,
verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den frankfurter Nachrichten als Extrabeilage
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21).
^N 140. Dienstag den 16. Juni
1857.
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Ueberblicke bet Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 16. Juni. (Die Silberwährung). Die gegenwärtigen Erör- terung n über den Einfluß der vermehrten Goldproruction und ihren Einfluß auf daS Werthverhâttniß zwi chen Gold und Silber neben vielfach von der Ansicht aus, daß Gold besser alS Silber dazu geeignet wäre, die Münzeinheit und den allgemeinen Werthmaßstab abzugeben. Es sei das Natürlichste, daß nicht ein Mittelglied in der Reihe der Metalle, sondern das anerkannt allein voranstehende den Münzfuß bestimme. Zu Gunsten der Goldwährung spreche außerdem die Thatsache, daß die GolbauSmünzungen in England, Rußland, den vereinigten Staaten und Frankreich durch die Goldgewinnung im russischen Reiche, in Kalifornien und Australien seit 1848 eine Substitution der Goldmünze an die Stelle des Silbergeldes bewirkt hätten. Diese Gründe werden jedoch durch daS Bedenken überwogen, daß der W rih deS Goldes durch die außerordentliche Veränderung in den Produktionsverhältnissen dieses Metalles einer sicheren Verminderung und stärkeren Schwankungen entgegengeht, während dagegen der Werth deS Silbers Der# hältnißmäßig stabil zu bleiben verspricht. Diese Stabilität ist aber die allerwichtigste Bedingung für das Geldwesen. Die Erfahrungen bei plötzlichen großen Goldgewinnungen früherer Zeit, z. B. in Klein-Asien, in Ober-Italien, im nordwestlichen Spanien, Haiti, Brasilien, welche in einer nicht gar langen Reibe von Jahren entweder gänzlich aufbörten oder nur noch eine geringe Quote ihres anfänglichen Ertrages lieferten, legen die Annahme nahe, daß auch die enorme Geldproduction der Goldländer unserer Tage nicht nachhaltig sein dürfte. Vielleicht tritt schon in wenigen Jahren nach Erschöpfung der lohnendsten Ausbeute eine progressive Abnahme der Goldzuflüsse ein. Angenommen indeß , daß die Goldzuflüsse in gleichem Umfange fortdauern, der Silberabfluß nach Ostindien und China zur Deckung des Mehrwerthes der Ausfuhr dieser Länder nach Europa uud Amerika über ihre Einfuhr mit ungeschwächter Jtensität anhalte und dadurch im Verlaufe von etwa 10 Jahren die Werthrelation von Gold und Silber, die jetzt noch im freien Verkehr ungefähr 1 : 15 Vs ist, auf das normale Verhältniß deö Alterthums, auf 1 : 10 hinuntergehe — würde eS im Hinblick auf eine solche Eventualität für Deutschland rathsam sein, daß eS zur Goldwährung