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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt KMurt, ^^^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der piefigen Staats- O^^ä ' behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage «"D^^^^"

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21). >è^L

M 132. Samstag den 6. Juni 1857.

AbonnementSpreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

UeberblLâe der Greiguisse im Webrete -er politischen und Materiellen Interessen.

Frankfurt, 6. Juni. DaS ultramontane „Mainzer Journal" fertigt die Vorgänge in Belgien mit den Worten ab: „Wer hat dieses Lumpengesindel aufgchetzt? Wir hegen die Ueberzeugung, daß solche Ercesse den Freimaurern in Belgien den Hals brechen wer­den." Wir beneiden die Redaction dieses Blattes nicht um die Sicherheit, womit sie die Bewegung eines Landes kurz abfertigt, noch um Leser, denen man solche Kost zu bieten wagt. Wir werden versuchen, die Grundlagen einer Bewegung aufzudecken, welche in ihrer Stärke und Verbreitung wohl manchen Leser überrascht hat, der den Kammer­verhandlungen in Brüssel nicht gerade sehr genau gefolgt war. Wir müssen auf die Revolution von 1830 zurückgehen. Diese war entstanden aus einer Verbindung der liberal-nationalen und der klerikalen Partei. Schon längst ist diese Coalition zerfallen, doch blieb ihre Spaltung, welche sich durch zahlreiche Ministerwechsel ausgesprochen, noch in den Grenzen deö Gesetzes und auf dem Boden der Verfassung. Es bildete sich während dieser Zeit ein Gegensatz zwischen der städtischen und ländlichen Bevölkerung aus, welche nach der Zählung von Ende 1856 in dem Verhältniß von 1,214,800 zu 3,396,300 zu einander standen. Die Städte, mit Ausnahme von Mecheln und Löwen, den Haupt­sitz n deS Klerus, bildeten den Herd der liberalen Bewegung, zumal Brüssel, dann Antwerpen, Gent, Lüttich, Bergen (Mons), Namür, welche rasch die Brüsseler Bewe­gung nachgeahmt haben. Dagegen kommandirt die klerikale Partei unbedingt über eine feste Mehrheit ländlicher Deputieren, deren sie sich als Sturmbock bedient, um die Pfei­ler umzuwerfen, welche den Staat vor einer Ueberfluthung durch das kirchliche Element bis fetzt geschützt. Es handelt sich um den Reichthum der Kirche und um ihre Un- terrichtöanstalten. Dr. Helfreich in seinem ausgezeichneten Buche: „Belgien in politischer, kirchlicher, pädagogischer und artistischer Beziehung" schildert schon für daS Jahr 1847 den Zustand so: „Von 1830—40 haben die geistlichen Institute an Geschenken und Legaten von Privatpersonen gegen 4 Millionen Frcs. erhalten, und wenn die Freigiebig­keit der Erblasser in demselben Verhältnisse zunahm, wie die Zahl der Klöster sich seit­dem vermehrte, so muß diese Summe um daS Doppelte gestiegen sein. Außerdem haben sich die Kammern gegen jede einigermaßen billige Forderung allezeit willfährig gezeigt