Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ^^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichttu als Extrabeilage
(Erpedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21).
M 125. Donnerstag den 28. Mai 1857.
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Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 26. Mai. Die Differenzen, welche zwischen dem Deutschen Bunde und der dänischen Regierung, wegen Nichtbeachtung der vom ersteren gewährleisteten Rechte der deutschen Bunbeslande Holstein und Lauen.burg in der dänischen GesammtstaatSverfassung, bestehen, scheinen vorerst die Diplomatie nicht weiter beschäftigen zu sollen. Nachdem die Cabi- nette von Berlin und Wien, welche in letzter Zeit diese Angelegenheit für sich mit Dänemark verhandelt haben, wie auS den bekannt gewordenen Depeschen, der österreichischen vom 18. März, der preußischen vom 25. März und 2. April c erhellte, zu dem Be- fchloffe gekommen waren, in Erwartung einer auf die Anträge beider eingehenden Erklärung noch etwa drei Wochen Frist zu geben, ehe sie die Sache beim Deutschen Bunde anregen würden, verzögerte eine in Kopenhagen eingetretene Ministerkrisis dies abermals. Es wiederholte sich der Borgang vom Sept.-Oct. vorigen Jahres, wo man auch schon Schritte des Deutschen Bundes in der holstein-lauenburgischen Angelegenheit für nahe hielt, als ebenfalls eine dänische MinisterkristS dazwischen kam. Oesterreich und Preußen hofften nemlich von der Fortsetzung ihrer Unterhandlungen mit dem neuen Cabinet damals bereits einen besseren Erfolg. Indessen scheint ein solcher erst setzt sich anzubahnen. Wenn die Ansicht richtig ist, daß die Abgeneigtheit der dänischen Regierung, auf die Anträge der deutschen Mächte sich einzulaffen, vorzüglich mit in Hrn. v. Scheele ihren Vertreter hatte, so würde dessen jetzt erfolgte Entfernung aus dem Cabinette allerdings bezeichnend sein. Herr v. Scheele bekleidete die Stelle des Ministers des Auswärtigen für die gesammte Monarchie und des Ministers für Holstein und Lauenburg. Bei der vorjährigen Ministerkrisis war Herr V. Scheele im Amte geblieben. Er hatte sich mit seinen Collegen wieder geeinigt und nur der Conseilsprâfident und Minister für daS Gesammt-Jnnere, Geh.-Rath Bang, trat ab. Sein Nachfolger in der Präsidentschaft wurde der Finanzminister der Gesammtmonarchie, Andrä (12. Octobr. 1856), und chaS Gesammtinnere übernahm Geh.-Rath Unsgaard, in dessen bisherige Stellung als Minister des Innern für Dänemark der EtatSrath Krieger eintrat. ES waren übrigens bei dieser Ministerkrisis im Septbr. v. 3« auch Hofverhältniffe mit im Spiele und die