Zntettigenz-Blatt
der freien Stadt /rankturt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten alö Extrabeilage
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21).
M 120. Donnerstag den 21. Mai 1857.
AchonnementSpreis für'S halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer MontagS. Einrücku ng -gebühre n r 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
V^^ Wegen der Feier des Himmelfahrttages wird morgen Freitag kein Jntelligenzblatt ausgegeben.
Ueberdlicke der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 21. Mai. Es sind beinahe 7 Jahre verflossen, seitdem in der Paulskirche der Kongreß der Friedensfreunde versammelt war, in derselben Paulskirche, wo etwa 2 Jahre früher Arnold Ruge den Vorschlag gemacht, europäische Streitfragen statt durch Krieg auf internationalen Kongressen zu lösen. Wir erleben Wunderâhnli- cheS nicht nur aus dem materiellen Gebiete, im Bereich der Eisenbahnen und Telegraphen; wir baden in wenigen Jahren, freilich erst seitdem der Krieg nochmals in umfassendster Weise seine Schrecken vielgestaltig gezeigt, eine Annäherung der PrariS an jene theoretischen Ideen gesehen. Eine Frage, welche noch zu Anfang des Jahres Europa mit blutigen Verwickelungen bedrohte, ist in der Hauptstadt des vermittelnden Kaiserreichs zum friedlichen Abschluß gelangt; eine zweite, welche seit einem Jahrzehnt die wichtigste politische Sorge der deutschen Ration gebildet hat, scheint auf dem Wege, wenn auch nicht deS förmlichen Kongresses, doch der allseitigen Vermittelung, einer friedlichen Lösung entgegenzugehen. Die Reisen der Herrscher und ihrer Vertreter haben noch nie in einem solchen Umfang stattgefunden als gegenwärtig; sie sind für die Anknüpfung eines engeren friedlichen Verhältnisses zwischen den Staaten Centraleuropas von Bedeutung. Wir sehen den Bruder des russischen Kaisers, den Großfürsten Constantin, der als der Hauptträger der russischen Eroberungsideen galt und schon in seinem Namen an die Ansprüche auf das byzantinische Reich erinnert, die Hauptstadt des Feindes besuchen, dessen Landmacht vor Allem das türkische Reich gerettet. Gleichzeitig besucht ein dem französischen Throne ebenso nahe stehender Prinz die preußische Hauptstadt und wohnt zwischen den Denkmälern Blüchers, Bülow's und Geneisenau's der großen Parade bei. Wie auch die Sächsische Hauptstadt den Besuch des Prinzen Napoleon erhält, so findet auch der König von Bayern sich in Paris ein. Auch der Kaiser von Oesterreich setzt die Herrschaft des Schwerte- zur Ruhe und sucht durch persönliche Gegenwart in den Ländern, welche bisher der Grsammtmonarchie am schroffsten entgegen-