Intelligenz-Blatt der freien AM /ranMurt, verbunden mit dem Amtsblatt , Organ der hiesigen Staatsbehörden , und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage
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(Expedition r am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21).
â 116. Samstag den 16. Mai
1857.
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Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen nn- materiellen Interessen.
Frankfurt, den 16. Mai. Die Anwesenheit deS Prinzen Napoleon in Berlin ist ganz geeignet, die Aufmerksamkeit deS Publikums zu erregen, denn in dem Bewußtsein der älteren Zeitgenossen verbindet sich mit dem Gedanken an Frankreich zugleich die Vorstellung einer Preußen entschieden feindlichen Regierung. Daher ist eS denn auch erklärlich, daß die Ankunft eines Napoleoniden in Berlin als ein ernstes Ereigniß von ihnen aufgefaßt wird. Man würde sich einer Täuschung hingeben, wollte man diesem fremden Besuche gar keine politische Bedeutung zuschreiben. Diese ist allerdings insofern nicht vorhanden, als weder Allianzen gegen eine andere Macht geschlossen, noch Bündnisse für bestimmte Zwecke verabredet werden, aber sie ist Beweis der freundlichen Beziehungen zweier mächtigen Nachbarstaaten und daher nicht ohne Bedeutung. Widerspricht es schon der Natur einer die realen Verhältnisse würdigenden Weltanschauung auf irgend ein Volk, daS im geordneten StaatSleben sich entwickelt, den Haß der Väter zu übertragen, so wird diese Auffassung noch mehr befestigt durch die Wahrnehmung, daß die neue Regierung Frankreichs im Innern mit fester Hand den Krater der Revolution zu schließen vermochte und gegen die Nachbarstaaten diejenige Mäßigung und Zurückhaltung zu beobachten wußte, welche sonst nicht die Vorzüge junger Tynastieen zu sein pflegen. Wie die Erinnerungen an die Heldenthaten Frredrich'S deS II. nicht mehr mit Bitterkeit gegen die österreichischen Völker gemischt sind, so hat sich auch, nachdem seit fast einem Menschenalter Frankreich keine Versuche gemacht, die politische Entwickelung Deutschlands zu stören, die politische Abneigung mehr und mehr gemildert. Nicht von Frankreich aus hörte man zur Zeit des orientalischen Krieges den Ruf nach einem Einfall in Preußen, um die Theilnahme an einem Kriege gegen Rußland zu erzwingen. Die jetzige französische Dynastie hat nicht etwa blos alle Gewaltthaten, sondern auch alle Fehler vermieden, welche gegen ihren ersten Begründer den gerechten Haß der Völker entzündeten. Sie erntet jetzt die Früchte dieser maßvollen Haltung. WaS die Zukunft in ihrem Schooße trägt, entzieht sich der Beurtheilung der Gegenwart, es wäre daher ein schwerer politischer Fehler, wollte die preußische Regierung alte Abneigungen zur Grundlage ihrer politischen Maßnahmen machen, wollte sie Kälte gegen ein Reich zur