Intelligenz-Blatt der freie« Stadt Frankfurt, ^M verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichte« als Ertrabeilage I
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(Erpeditisn r am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21).
â 100. Dienstag den 28. April 1857.
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Ueberblicke der Greignisfe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 28. April. (Creditvereine für Handwerker.) Mit der Arbeit von Kopf und Hand kommt der Handwerker nicht mehr durch, seitdem er mit dem Kaufmann und Industriellen concurriren, seitdem er Kaufmann und Fabrikant zu- gleich sein muß. Außer Kopf und Hand bedarf er auch Kapital, des Kapitals, daS ihm von Hause auS meistens abgeht und auch der Credit nicht mehr ersetzen und verschaffen kann, seitdem Handel und Industrie sich des Geldmarktes bemächtigt, der Capi- talsströmung sich ausschließlich zugewandt haben. Was an Capital nicht ihnen dient, fließt alS sicheres Depositum in die Sparkassen oder legt sich als sichere Hypothekenfor- derung auf den Grundbesitz, so daß der geldbedürftige Handwerker faktisch kreditlos ist. Diese Creditlosigkeit ist aber der Ruin eines Standes, der den plysiich und moralisch kräftigsten Theil der Bevölkerung bilden muß, soll letztere nicht in bodenloses mater,elles und moralisches Elend versinken. Durch jene Creditlosigkeit, die ihm, von dem die meisten Kunden einen langen Credit fordern, das ihm s» nöthige Beirieds Kapital intziebt, geht der Handwerkerstand in Massen zu Grunde und sinkt herab zu dem an moralischer und geistiger Bildung unter ihm stehenden Hanbarbeiterliande. Vor diesem Ruin kann auch hier nur die Association retten, die Association, wie sie sich bereits meyrfach in Credit, oder Vorschuß-Vereinen für Handwerker bethätigt hat, leider nicht überall mit Geschick und Erfolg. Beides fehlte ihr, weil die Vereine als Wohlihâtigkeils- oder vielmehr als Almosen-Vereine betrachtet und behandelt wurden, die faciisch nur den Zweck hatten, daS geliehene oder geschenkte Geld christlich gesinnter Caprtalisten dem armen Handwerker unoerzinSlich zu leihen, oder gänzlich zu schenken. Dergleichen auf die Haltbarkeit christlicher Werkthätigkeit gegründete Vereine können nur schwer und spärlich ihr Leben fristen, da sie eine fortwährende Opferwilligkeit voraussetzen, wie sie dem Kapitalisten, dem die gewinnreiche Geldanlage in Handel und Industrie winkt nicht zuzumuthen. Die neuen und blühenden Vereine dieser Art sind nach andern Grundsätzen constituirt. Geldgeschenke und unverzinsliche Darlehen weisen sie zwar nicht zurück, erhalten sich aber hauptsächlich durch sich selbst, theils durch die Beiträge ihrer Mit- Oeder, theils durch die Zinsen, die sie sich von den Darlehnsnehmern zahlen lassen.