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Intelligenz Blatt

freie» Stadt Frankfurt,

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frsuksurttr Nachrichten als Extrabeilage ----*ro@®®ee*---- (Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21).

JA 92. Samstag den 18. April 1857.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. EinrückungSgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblieke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 18. April. Durch den Rücktritt deS Ministers von Scheele ist die Lösung der deutsch-dänischen Streitfrage um vieles erleichtert und die von der lauen- burgischen Ritterschaft durch den Grafen Kielmannsegge in Kopenhagen direct eingelei- teten BermittelungSversuche gewinnen an Wahrscheinlichkeit des Erfolgs. Nachdem näm­lich die lauenburgische Ritter- und Landschaft mit 9 gegen 7 Stimmen beschlossen hatte, bei dem Bundestage Beschwerde wegen Verfassungsverletzung zu erheben und zu diesem Ende eine von dem Prof. Zachariâ in Göttingen verfaßte Schrift einzureichen, hat sich der Vicelandmarschall des Herzogthums, Graf Kielmannsegge, aus eigenem Antrieb nach Kopenhagen begeben, um dem König und dem Ministerium die Sachlage von einem andern Standpunct, als dem des Ministers für Holstein, Herrn v. Scheele, darzulegen. Dieser Schritt hat den Erfolg gehabt, daß das Ministerium den Landdrosten des Herzog- thums, Kammerherrn von Kardorff, beauftragt hat, mit einer von der Ritter- und Landschaft zu ernennenden Commission wegen einer Ausgleichung in Verhandlung zu treten. Eine solche friedliche Lösung wäre natürlich am meisten erwünscht, denn wenn gleich Rußland und Frankreich für jetzt die Competenz der Bundesversammlung in dieser Angelegenheit anerkennen, so könnte doch im weiteren Laufe der Verhandlungen der europäische Cha­rakter der Frage mehr hervortreten. Man darf sich nicht verhehlen, daß in Anerkennung deS Rechtes Deutschlands in dieser Angelegenheit die fremden Mächte sich nicht sehr will­fährig zeigen werden, das hat die Erfahrung längst erwiesen. Zumal die englische oder, was gleichbedeutend'ist, Lord Palmerston'sche Politik hat noch nie von der Antipathie gegen Rußland sich bewegen lassen, in dieser Angelegenheit eine andere alS die russische Politik zu verfolgen, weil Holstein und die Elbmündung in dänischen Händen der eng­lischen Handelspolitik vortheilhaft zu sein scheint. Wenn jetzt die Theilnahme Englands für Dänemark weniger warm erscheint als 1850, so ist der Grund davon in der ver­minderten Wichtigkeit der dänischen Position seit der Ablösung deS Sundzolles zu suchen. Wir bezweifeln nicht, daß bei Einigkeit und Festigkeit der deutschen Staaten auch gegen den Einspruch der fremden Mächte das Recht der deutschen Bundesländer zur Geltung gelangen wird, aber eine friedliche Lösung wird immer vorzuziehen sein. — Rach einer