Einzelbild herunterladen
 

ZnteHigenz-BIat«

der freien Stadt Fraaktart,

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21).

â 68. Samstag den 21. März 1857.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 fr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile. ~

Ueberblicke -er Greigniffe im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.

Frankfurt, 21. März. Wer vorurtheilsfrei auf die Vergangenheit zurückblickt, der muß unserer Zeit eine große Thatkraft in Verfolgung materieller Interessen .zuge­stehen. Durch den vermehrten Verkehr und die geringere Rücksicht auf Spezialinteressen haben die letzten Jahre Einigungen entstehen sehen, welche man noch vor einem Jahr­zehnt für unmöglich gehalten hätte. Als solche Fortschritte nennen wir die Gewinnung der Nordsee durch den Zollverein, die Befreiung der Donau, daS deutsche Wechselrecht, die deutsche Münzeinigung, wozu binnen Kurzem noch das allgemeine deutsche Gewicht und vielleicht auch noch ein deutsches Handelsrecht kommen werben, und als letzte europäische That auf diesem Gebiete die Ablösung des Sun dz olleS. Der Vertrag ist unter­zeichnet und wird ohne Zweifel binnen kurzem mit allgemeiner Ratification in's Leben treten. Wir glauben, daß man mit Unrecht diesen Vertrag als einen Sieg Dänemarks bezeichnet. Freilich hat eS mehr erlangt, als wenn Nordamerika mit Waffengewalt seine Aufhebung erzwungen hätte, worauf denn, nach dem Inhalt der meisten Specialverträge, dieselbe Befreiung für die andern „meist begünstigten Mächte" hätte eintreten müssen. Wie bei jedem Vertrag hat eine Gegenseitigkeit der Concessionen stattfinden müssen und daS Opfer welches Dänemark seinerseits gebracht hat, ist weder in pecuniârer, noch in politischer Hinsicht genug anzuschlagen. Vor Allem findet sich mit keinem Worte das „unvordenkliche Recht" anerkannt, welches Dänemark nach mittelalterlicher Rechtsanschauung auS der seit 1660 nicht mehr bestehenden Herrschaft über beide Küsten der MeereSstraße herleitete. Die Summe von 30 570,598 dänischen Reichsthalern ist nur eine Ablösung der wirklichen Leistungen mit Leuchtfeuern, Baaken, Uferbauten ic., welche Dänemark nicht nur jetzt unterhält, sondern auch ohne weitere Entschädigung vertragsmäßig nicht nur fortzuleisten, sondern auch nach Umständen zu verändern und zu vermehren unter­nommen hat. Damit verzichtet es auf seine bisherige Freiheit in dieser Beziehung und stellt sich unter die Controle der contrahirenden Mächte. Mit der Ablösung des Sund­zolles fällt nicht nur die volitische Bedeutung der Lage Dänemarks, sondern es erwächst auch ein jährlicher Nachtheil von etwa einer Million Reichsthaler an Nebenkosten; end­lich wird auch der Transitzoll durch Holstein und Lauenburg und der Zoll auf dem