Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, X®^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage 8
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21).
JK 38. Samstag den 14. Februar 1857. .
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Ueberblicke -ex Ereignisse im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.
Frankfurt, den 14. Februar. Der politische Horizont scheint sich wieder etwas zu trüben und in die stille See der europäischen Politik scheint wieder ein frischer Wind zu fallen. Vor wenigen Tagen war die orientalische Angelegenheit eine abgethane Sache; die Grenze geordnet, der Rückzug der Oesterreicher und Engländer aus den occupirten Land- und Waffergebieten nicht zu bezweifeln; die österreichischen Blätter konnten nicht genug von der Ungeduld erzählen, mit der ihre Landsleute aus dem Gebiete zwischen Pruth und Donau sich heimwärts sehnten; dann sollte der Divan ad hoc zusammentreten und die Zustände in rumänischen Landen möglichst beim Alten lassen; war ja doch auf Oesterreichs und der Pforte Wunsch jede Einheitsbestrebung an den Nagel gehängt. Diese idyllische Ruhe stört plötzlich mit scharfem Tone die Note des Moniteur, welche ganz unmotivirt erklärt: „Frankreich will die Vereinigung". Wie entschieden muß dieser Wille sein, der vor ganz Europa seine Meinung ausspricht und damit sich die Schiffe zum Rückzug verbrennt? Einer Motivirung dieses Willens bedarf es kaum; auch die gläubigsten Seelen, wenn sie seit dem Frieden den Artikel „Türkei" noch ihrer Beachtung gewürdigt, müssen längst von ihrem Träumen einer Regeneration der Türkei zurückgekommen sein. Das gänzliche Erschlaffèn jenes kriegerischen Aufschwungs bis zur äußersten Vernachlässigung der Wehrkraft, das Einschlafen jeder Reform, die Verweigerung der Gleichstellung der Rajähs, das Auflodern des wildesten Fanatismus, die leichtsinnigste Finanzwirthschaft, — daS alles find keine Zeichen der Wiedergeburt, vielmehr des fortschreitenden Verfalls. In diesen Verfall und Zusammensturz darf daS rumänische Volk nicht verwickelt werden, deshalb darf außer der Oberherrschaft keine innere Einmischung der Pforte stattfinden; selbständig kann aber nur das vereinigte Land sein. Anderer Meinung sind die Wiener Korrespondenzen deutscher Blätter, die ostdeutsche Post, die österreichische Zeitung. Sie sind einstimmig über die Unzuverlässigkeit der französischen Politik und stellen eine Fortdauer der Occupation und eine Verzögerung deS Zusammentritts der Origanisationscomisston in Aussicht. ES wird engerer Anschluß an England gerathen, obgleich dort noch immer der vielgeschmähte Lord Palmerston am Ruder sitzt. Eine solche neue Verwicklung würde besonders deshalb