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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Kanksutt,

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- brhörden, und den Frankfurter Nachricht« als Erirabeilage I

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21).

M 30 Donnerstag den 5. Februar 1857

AbonnementSpreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 fr. Tägliche Ausgabe außer MontagS. EinrückungSgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der Greignisie im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 5. Februar. Die Dividende der Wiener Creditbankactiey war lange Zeit der Gegenstand der Conjecturalkritik, ehe die Direktion sich bewogen fand, mit dem Ergebniß : 12 fl. auf die Aktie, hervorzutreten. ES ist merkwürdig, wie die österreichische Presse diese Kundmachung aufnimmt: „Wenn sie GrundentlastüngSobliga- tivnen gekauft hatte und dieselben russig hätte liegen lassen, ohne Verwaltungskosten auf» zuweiiven, so hätte sie eine bessere Dividende liefern können", so Ragt die „Presse". — „Vier Gulden Superdividende »ist das Höchste, worauf.man in gewöhnlichen Jahren rech­nen kann, wenn diesèS außerordentliche Jahr mit dem außerordentlichen Gewinn an den Lombarden nur 12 fl. abwarf!" so jammert die „Ostdeutsche Post". „Die österreichische Creditanstalt — so urtheilt man an der Donau — hat Has Monopol in dem im raschen Aufschwung begriffenen Kaiserstaat; alle Papiere, welche sie vor dem 18. Januar vorigen JahreS besaß, sind seitdem im Course gestiegen, sie ist bei den meisten Eisenbahnen alS Gründerin mitbetheiligt gewesen, und wenn sie dennoch nur 12 fl. Dividende gibt, so muß die Verwaltung schlecht sein". Dieses Urtheil faßt nur eine Seite der Verhältnisse auf, nur die Rechte, nicht die Pflichten der Anstalt. Warum hätte denn der Staat ohne Gegenleistung ein Monopol gewähren sollen? Die österreichische Creditanstalt für Handel und Gewerbe wurde-als Werkzeug der wirthschastlichtzn Staatspolitik geschaffen zur raschen Hebung des StaatScredits, zur Durchführung des Eisenbahnnetzes und zur Förderung des gewerblichen Unternehmungsgeistes. Für diese Dienste, welche sie zu leisten verpflichtet war, wurde sie mit dem Monopol in Oesterreich belohnt. Diese Dienste bestanden darin, daß sie 1855 Nationalanleihe, 1856 Westbahn-, Ostbahn-, Theiß- und Nordbahnactien aufkaufen mußte, um den Cours zu halten. DaS erste Geschäft ist ein, geschlagen, an dem zweiten ist so viel verloren worden, daß nur wenig von dem Gewinne übrig blieb. Jetzt „ras't der See und will sein Opfer haben." Vergebens haben die Verwaltungsmitglieder ihre halbe Tantieme ÄS Opfer in die schäumenden Wogen ge­worfen; man verlangt „andre Männer". Man muß eS den Wienern überlassen, diese Angelegenheit zu ordnen, und es, wenn sie wollen und können, mit neuen Männern zu versuchen. Für uns Fernstehende ist nur das Princip wichtig, wofür auch die öfter-