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Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, zg^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage |

(Expedition : am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21).

«M 22. Dienstag den 27. Januar 1857.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fL 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. EinrückungSgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der Greignisse Lm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 27. Januar. Wenn Mißstände in den Nahrungsverhältnissen sich über große Ländergebiete dauernd verbreitet haben, so kann man in der Regel an- nehmen, daß sie nicht als die Wirkung einer einzigen Ursache erscheinen und ebensowenig in einem einzigen Zeitpunkt zusammengedrängt aufgetreten sind. Ihrer Zahl und der Wirksamkeitsäußerung nach sind sie größtentheils verschieden und endlich zusammenfallend gewesen. So haben sich auch die Ursachen der schon lange andauernden Höhe der Ge- trcidepreise nicht auf einmal gebildet, sondern nach und nach, und sie sind auch nicht auf einen einzelnen Theil des Kontinents beschränkt verblieben, sondern haben sich allgemein verbreitet. In verschiedenen Zeiten und Räumen haben sie sich miteinander verbunden und so den Zustand der Dinge herbeigeführt, über den wir jetzt allgemeine Klage erhe­ben. Diese Ursachen der Theuerung liegen aber unverkennbar theils in den mehrere Jahre hindurch angedauert habenden kargen Jahrgängen für die Production der Nahrungs- stoffe, theils in dem Kriege; dann darin, daß jetzt weit mehr Ländereien für das Er­zeugniß von Hündelsgewächien verwendet werden, als es früher geschah; in der Ver­minderung des Areals in Folge der Eisenbahnanlagen, in der dadurch bewirkten Er­leichterung des Verkehrs, wodurch lokale Mängel schneller haben ausgeglichen werden können, und endlich in der Abnahme des Geldwerthes — doch alle diese Ursachen zu­sammengenommen, hätten gleichwohl den jetzigen Zustand der Dinge wohl in Bezug auf die Höhe der Preise der Getreide, nicht aber ihre Dauer erklären können; denn wenn die Natur sich in dem Gang der Hervorbringungsgeschäfte oft auf der einen Seite Störungen erlaubt, so ist sie auf der andern auch gleich wieder mit einem Heilmittel bereit, und wenn ferner der Mensch in seinen ökonomischen Unternehmungen sich inner­halb der Schranken deS Naturgemäßen bewegt, so hat er darum nicht nur keinen Nach­theil zu besorgen, sondern eine Vermehrung seines Wohlstandes zu hoffen. Von beiden Seiten her hätte dann nicht eine Ausgleichung dieser Verhältnisse erwartet werden kön­nen, wie z. B. in den Jahren 1818-19, die aus die Hungerjahre folgten. Diese Aus­gleichung ist aber auSgeblieben. Es müssen also noch andere Ursachen zwischen hinein gewirkt haben und diese bestehen ganz unverkennbar in dem Ergreifen eines künstlichen